Vorkasse bei Fondssparplänen hilft nur den Anbietern
Du lieber Augustin!

DÜSSELDORF. August Zillmer, Versicherungsmathematiker im 19. Jahrhundert und Direktor bei mehreren Lebensversicherungen, haben wir Sparer die Idee zu verdanken. Danach werden beim Abschluss einer Kapitallebensversicherung alle Provisions- und Verwaltungskosten auf den Anfang der Laufzeit konzentriert. Das heißt, der Versicherte zahlt viele Monate nur Gebühren, bevor seine Prämien tatsächlich auf sein persönliches Konto fließen. Das macht den Abschluss einer Kapitallebensversicherung auf jeden Fall schon mal für den Vertreter attraktiv. Er bekommt seine Provision sofort. Schön auch für die Versicherung: sie kann ihre Kosten gleich decken.

Weniger schön ist das meist für den Sparer. Denn gerade das zu Beginn der Laufzeit angesparte Geld würde sich über die Jahre auf Grund des Zinseszinseffekts am stärksten vermehren. Außerdem ist das Geld für die Abschlusskosten immer schon weg, auch wenn der Vertrag eine Zeit lang ruht oder gar ganz aufgelöst wird. In solchen Fällen sind die Kosten überproportional hoch.

Seit Januar dieses Jahres verkaufen sich Lebensversicherungen nicht mehr so gut, weil sie Steuervorteile verloren haben. Die Idee von August Zillmer aber pflanzt sich fort. Um dem Heer der Vertriebsleute Ersatz zu bieten, sind jetzt die Fondsgesellschaften dazu übergegangen, auch bei Fondssparplänen nach dem Vorbild des berühmten Versicherungsmathematikers vorzugehen. Sie kommen „gezillmert“ daher. Bisher wurde der Ausgabeaufschlag, der hauptsächlich die Kosten des Vertriebs abdeckt, bei einem Fondssparplan stets nur von den eingezahlten Beiträgen erhoben. Bei langer Laufzeit mussten die Vertriebsleute dann ziemlich lange warten, bis das Geld auf ihr Konto geht. Entsprechend stiefmütterlich haben sie oft die Fondssparpläne behandelt. Doch jetzt bieten auch Fondsgesellschaften wie Activest, die DWS und Dit die neuartigen Sparpläne an. Vertriebsfirmen und Verwalter von Fondsdepot offerieren entsprechende Modelle auch von ausländischen Fondsgesellschaften.

Das Modell nutzt den Vertretern und den Gesellschaften, aber nicht den Anlegern. Viele Monate zahlt der Sparer nur Provision und nichts aufs eigene Konto. Bei einigen Modellen von Activest etwa geht die gesetzlich erlaubte Höchstsumme von 33,5 Prozent der im ersten Jahr eingezahlten Beiträge für Vertriebskosten drauf. Danach ist der Sparer von sämtlichen Ausgabeaufschlägen befreit. Activest hat es ausgerechnet: Erst wenn ein Vertrag länger als zehn Jahre läuft, würde der Sparer von dem Wegfall des Aufschlags profitieren und insgesamt gegenüber dem herkömmlichen Modell Aufschlagskosten sparen.

Bei so einem „gezillmerten“ Sparplan wäre der Kunde aber schon mal zehn Jahre an den gleichen Sparplan gebunden und ähnlich unflexibel wie bei einer Lebensversicherung. Der bekannte Vorteil des Fondssparens liegt jedoch gerade darin, dass Anleger je nach Lebenssituation auch mal aussetzen können oder zu einem anderen Fonds wechseln können, wenn ihnen die Entwicklung nicht gefällt - ohne zusätzliche Kosten. Das entspricht viel mehr den Bedürfnissen der Bürger als Sparmodelle mit langer Bindung. Nahezu jeder zweite Lebensversicherungsvertrag wird vorzeitig aufgelöst. Nur 20 Prozent werden von den Sparern so eingehalten wie ursprünglich verabredet.

Anleger sollten um solche Verträge deshalb einen großen Bogen machen. Das Argument, dass der Investor ja auch die Beratung des Vertreters braucht, zieht nicht. Ein guter, breit gestreuter Aktien- oder Anleihefonds mit ansehnlicher Entwicklung lässt sich auch ohne Verkaufsgespräch in den Listen der Ratingagenturen finden. Der Ausgabeaufschlag ist dort sauber ausgewiesen und immer nur fällig, wenn Anteile erworben werden. Auch der Gebührenrabatt nach vielen Jahren Laufzeit lockt nicht. Viele Fonds werden aufschlagfrei auch an den Börsen gehandelt. Zudem bieten Direktbanken und Discounter die Produkte mit hohen Rabatten. August Zillmer wird dazu nicht gebraucht.

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