Wachsende Erfolge von Indexfonds
Lieber Bus statt Ferrari

Einmal Michael Schumacher sein – davon träumt so manch ein Fondsmanager. So wie er aus der Kurve heraus beschleunigen und dann als Erster über die Ziellinie rasen. Ganz vorne sein, die Konkurrenten nur den eigenen Fahrtwind spüren lassen und vor allem Glück haben, dass einen die Über- und Untergewichtungen und Derivate im Depot nicht aus der Kurve getragen haben.

FRANKFURT. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das reizvolle Ambiente der Formel I: Die Bewunderung der Reichen und Schönen bei den Boxenstopps. Aber als Nummer eins in den Ertrags-Ranglisten fühlt man sich auch ganz wohl. Erst recht im Vergleich zu den Loosern, die mit ihren Indexprodukten den Sexappeal eines durchschnittlichen Busfahrers verströmen. Man stelle sich den Mimen Ottfried Fischer am Steuer vor. Die gähnende Langeweile.

Das war gestern. Die Welt verändert sich. Überspitzt formuliert: Tschüss Formel-I-Pilot, Willkommen Busfahrer. Immer mehr Anleger mokieren sich über geplatzte Reifen und Karambolagen auf der Rennstrecke mit Totalausfällen. Einmal Siegen ist schön, aber zu oft muss man den Fahrer mit Mühe aus seinem demolierten Boliden schneiden. Ganz ähnlich schaffen es nur wenige Fondsmanager, über längere Zeit eine überdurchschnittliche Performance einzufahren.

Das erklärt den wachsenden Erfolge von Indexfonds, vor allem den börsengehandelten Produkten. Die so genannten ETF’s bleiben in der Index-Spur, laufen mit minimalen Gebühren und kommen garantiert ins Ziel. Immer mehr Zuschauer an der Rennstrecke wenden sich deshalb von den Idolen mit ihrem riskanten Fahrstil ab und nehmen den Bus.

ETF-Gesellschaften wie Indexchange, Barclays Global Investors oder Lyxor spüren den Zustrom. Die deutsche Indexchange beispielsweise hat im bisherigen Jahresverlauf drei Milliarden Euro an neuen Geldern eingesammelt. Nur zwei der deutschen Wettbewerber schafften mehr. Europaweit dürften die Mitspieler in wenigen Jahren einen dreistelligen Milliardenbetrag verwalten.

Das unfallfreie Bus fahren ist für alle Anleger attraktiv. Private werden außerdem bald mit den Kosten ihrer Beförderung konfrontiert. Die anstehende EU-Finanzmarktrichtlinie fordert vom Berater die Offenlegung bestimmter Gebühren. Dadurch rücken die Kosten insgesamt stärker ins Bewusstsein.

Viele Kunden werden dann zum ersten Mal sehen, wie billig Busfahren ist und wie teuer der Ferrari. Zur Orientierung: Ein durchschnittlicher ETF kostet weniger als 0,5 Prozent pro Jahr, beim Aktienfonds mit Formel-I-Profil sind neben einer Einstiegsgebühr rund eineinhalb Prozent pro Jahr fällig, besonders rasant gebaute Zertifikate können der zweistelligen Prozentbelastung nahe kommen. So kündigt sich das Ende überhöhter Beförderungsentgelte an und damit der Sieg des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.

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