Wachstumsbranchen
Favoritenwechsel an der Börse

Was ist eine Wachstumsbranche? Auf den ersten Blick ist die Antwort eindeutig: eine Branche, die überdurchschnittlich schnell wächst. An der Börse entscheidet das Prädikat darüber, ob eine bestimmte Aktie eine höhere Bewertung verdient. Investoren lieben Wachstumswerte, weil sie ihren Aktionären stark steigende Gewinne versprechen.

HB NEW YORK. Ganz so klar, wie es zunächst scheint, ist die Definition jedoch nicht. Bei näherem Blick zeigt sich, dass viele Branchen das Wachstumskriterium mal erfüllen – und dann wieder nicht. So galten einst die so genannten TMT-Branchen (Technologie, Medien, Telekommunikation) allesamt als Wachstumsbranchen. Den Aktien Deutscher Telekom, Time Warner, Infineon und SAP brachte das hohe Bewertungsaufschläge.

Heute gilt nur noch Technologie als Wachstumsträger – und selbst innerhalb dieses Sektors hauptsächlich der Softwarebereich, weniger Hardware wie Computerchips. Hardware und Medien zählen Analysten mittlerweile zu den „Zyklikern“, deren Geschäft je nach Konjunkturlage mal glänzend, mal furchtbar läuft. Der einst glanzvolle Telekom-Sektor steht gar im Ruf, ähnlich langweilig und wachstumsschwach zu sein wie Stromversorger.

Wer diese Entwicklung schon vor drei Jahren absah, hat mit SAP-Aktien sein Geld fast verdoppelt, während die Aktien von Infineon, Deutsche Telekom und Time Warner im gleichen Zeitraum stagnierten.

Lehre Nummer eins: Was Investoren und Analysten als „Wachstumsbranche“ klassifizieren, ändert sich von Zeit zu Zeit. Lehre Nummer zwei: Es zahlt sich aus, solche Wahrnehmungsänderungen zu antizipieren.

Ein Anwärter auf das begehrte Prädikat „Wachstumsbranche“ könnte der Logistiksektor sein. Zwar gilt der Transport von Briefen, Paketen und Gütern bisher wenig dynamische und profitarme Arbeit. Doch Logistikfirmen wie die Deutsche Post sowie ihre US-Rivalen United Parcel Service und Fedex haben gute Aussichten auf attraktives langfristiges Wachstum.

Als wichtigster Treiber fungiert der wachsende Welthandel, der immer mehr Transporte aller Art erfordert. Dazu kommt der Trend, dass Unternehmen immer mehr logistik-bezogene Dienstleistungen auslagern. So regeln UPS und die Deutsche Post auf Wunsch der Kunden nicht nur deren Paket- und Güterverkehr, sondern verwalten auch den gesamten Warenfluss, vom Zulieferer aus China über Lagerhaltung bis hin zu Reparaturdiensten inklusive technischer Kundenberatung.

Das Potenzial zur nächsten Wachstumsstory an den Börsen zu reifen, hat die Logistik-Branche damit allemal. Anleger sollten aber stets im Hinterkopf haben, wie die Wachstumsträume der Telekom- und Infineon-Aktionäre endeten. Spätestens wenn um die bislang kaum beachteten Logistiker ein ähnlicher Rummel entbrennen sollte wie einst um Telekom- und Chipwerte, ist die Zeit zum Ausstieg reif.

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