Waldbrände dürften Zellstoff zusätzlich verteuern
Nicht von Pappe

Der Höhenflug der Zellstoffpreise ist ins Stocken geraten. Und dies, obwohl verheerende Feuer in Teilen Nordamerikas und Europas einen Teil der Waldbestände vernichtet haben und das Angebot am Ausgangsrohstoff Holz daher schrumpfen dürfte. Der Preis für die Zellstoff-Richtqualität NBSK war seit Jahresanfang 2003 von 440 Dollar je Tonne bis Mitte Mai auf rund 560 $/t in die Höhe geschossen. Seither hat sich die Lage wegen der flauen Weltkonjunktur allerdings beruhigt. Die Preise liegen in Europa in dieser Woche wieder auf einem Niveau von rund 510 $/t.

FRANKFURT/M. Der Begriff „NBSK“ steht für Northern Bleached Softwood Kraft Pulp. Das ist langfasriger Zellstoff, der aus Holz hergestellt wird, das aus den Wäldern Nordamerikas und Skandinaviens stammt. Zellstoff ist wiederum der Grundstoff für die Herstellung von Papier und Pappe.

Einige Analysten gehen angesichts der zuletzt an den nordamerikanischen Märkten stark gestiegenen Holzpreise davon aus, dass auch Zellstoff über kurz oder lang wieder teurer wird. An der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) waren die Preise für Bauholz (Lumber) in den vergangenen Tagen um mehr als zehn Prozent in die Höhe geschossen. Auslöser waren vor allem Meldungen über die verheerende Waldbrände in verschiedenen Regionen Nordamerikas, vor allem in den waldreichen kanadischen Provinzen Alberta und British Columbia. Berichten von Nachrichtenagenturen zufolge sollen dabei nicht nur große Waldflächen vernichtet worden sein, sondern auch mehrere große Sägewerke Opfer der Flammen geworden sein.

An den internationalen Märkten für Forstprodukte erwarten Analysten jetzt, dass das Holzangebot aufgrund dieser Schäden geringer ausfallen wird. Dies wiederum könnte schließlich auch Einfluss auf die Zellstoffpreise haben. In den vergangenen Tagen wirkten die Waldbrände nach Angaben der Analysten der finnischen Fachorganisation Foex indes noch nicht preistreibend. Grund: Wegen der geringen Nachfrage befinden sich die Zellstoff-Lagerbestände der Produzenten auf einem anhaltend hohen Niveau. Dies ändert jedoch nichts am grundlegenden Optimismus einiger Analysten.

„Wir erwarten im vierten Quartal eine starke Rally der Zellstoffpreise“, sagt Patricia M. Mohr, Rohstoff-Analystin der kanadischen Scotiabank. Die Expertin begründet ihren Optimismus mit der kommenden Erholung im Anzeigengeschäft der Printmedien und mit einer absehbaren weltweiten Erholung der Papiernachfrage. „Zudem kehren die Dot-com-Anzeigenkunden zu den traditionellen Printmedien zurück“, gibt die Expertin ihre Beobachtungen vom nordamerikanischen Medienmarkt preis. Die Verlage dürften also wieder mehr Zeitungspapier ordern.

Eine positive Entwicklung der Papiernachfrage erwartet auch Peter Hickson vom Finanzhaus UBS. Er schätzt, dass die Zellstoff- und Papierproduzenten im laufenden Zyklus auf der Angebotsseite disziplinierter vorgehen werden als in vorangegangenen Wirtschaftszyklen. Auch dies spricht für steigende Zellstoffpreise.

Die Fachleute setzten vor allem auf den Bedarf der Länder im Fernen Osten. Die Analysten der finnischen Foex erkennen bereits eine zunehmende Zellstoffnachfrage aus China. Analystin Mohr sagt die große Preiswende am Zellstoffmarkt für 2004 voraus: Dann könne der NBSK-Preis bis auf das Niveau von 620 bis 625 $/t steigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%