Warum der MDax gegen alle Prognosen steigt
Klein ist weiter oho!

Beinahe gebetsmühlenartig verkünden seit rund zwei Jahren die Aktienstrategen der großen Bankhäuser, dass die Zeit der kleinen und mittleren Werte nun vorbei sei und künftig mit einer Rückkehr der Marktschwergewichte zu rechnen ist. Die Realität sieht jedoch noch immer vollkommen anders aus.

FRANKFURT/M. Small- und Midcaps glänzen mit hohen Zuwächsen, während bei den Blue Chips Durchschnitt dominiert. Das dürfte allen Unkenrufen zum Trotz noch eine ganze Weile so weitergehen.

Paradebeispiel für diese Aussage ist der Vergleich zwischen dem Aushängeschild Deutscher Aktienindex (Dax) und dem unterhalb davon angesiedelten MDax. Während der Dax im ersten Quartal ein Plus von knapp über zwei Prozent geschafft hat, sind es beim MDax fast sechs Prozent. Auf kurze Schwächephasen wie zum Ende vergangener Woche folgten beim MDax mit steter Regelmäßigkeit neue Allzeithochs.

Gründe, warum es auch weiterhin bergauf gehen sollte, gibt es viele. Ein wesentlicher Aspekt ist, dass Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen wesentlich stärker von unternehmensspezifischen Nachrichten getrieben sind, als die der Marktschwergewichte. Dort bewegen die Kurse geopolitische und konjunkturelle Themen wie Krieg und Terror, der schwache Dollar und der hohe Ölpreis sowie volkswirtschaftliche Kennzahlen deutlich stärker als bei den kleinen Werten. Die Konsequenz: Zwar präsentierten zuletzt die Großen wie die Kleinen gute Nachrichten, profitiert haben davon aber nur die Kleinen.

Natürlich würde es mit den Small- und Midcaps nicht ständig bergauf gehen, wären diese nicht immer noch unterbewertet. Bei 12,8 liegt derzeit das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der 50 MDax-Werte. Der langfristige Durchschnitt von 16,8 lässt da viel Luft nach oben. Weiteres Bonbon ist die hohe Dividendenrendite, mit der viele MDax-Unternehmen locken. 45 der 50 Gesellschaften schütten in den nächsten Wochen rund 2,7 Mrd. Euro an ihre Anteilseigner aus. Das sind 400 Mill. Euro mehr als im Vorjahr, haben Experten der DZ Bank errechnet.

Bei all diesen Zahlen darf nicht vergessen werden, dass der MDax in den letzten Jahren extrem von viel „frischem Blut“ profitiert hat. Nicht nur, dass er in zwei Jahren von 70 auf 50 Werte verkleinert wurde, führte dazu, dass er deutlich homogener in seiner Zusammensetzung wurde. Zwei weitere Faktoren sorgten für einen zusätzlichen Schub: Zum einen hat die Zulassung ausländischer Unternehmen den Index gewaltig aufgewertet. Namen wie EADS und die mittlerweile in Irland beheimatete Depfa gehören jetzt dazu. Außerdem gab es die Börsengänge der Postbank und von Wincor Nixdorf, die sich inzwischen im MDax finden. Höchstwahrscheinlich im Juni bereits werden die Bayer-Ausgliederung Lanxess und eventuell der Bezahlsender Premiere dazu stoßen.

Vom einst verstaubten MDax-Image ist damit nur noch wenig übrig. Statt dessen präsentiert sich dort inzwischen eine moderne zweite Garde, die längst vielen institutionellen Anlegern aufgefallen ist. Im Gegensatz zu früher tummeln sich zahlreiche ausländische Investoren darunter. Kein Wunder, sind doch die hohen Zuwächse im MDax längst Parkettgespräch in London, New York und Tokio.

Das Gerede davon, dass die kleinen und mittleren Werte in nächster Zeit von den Marktschwergewichten verdrängt werden, wird trotzdem nicht verstummen. Ist doch das Wachstums- wie auch das Nachholpotenzial weiterhin das schlagende Argument zu Gunsten der Blue Chips. Zu Lasten all der Werte, die sich in der Liga darunter befinden, muss das nicht gehen. Der Jahresverlauf wird es beweisen.

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