Warum die Märkte zu Recht auf die Türkei setzen
Der große Sprung

So unterschiedlich wird der Begriff Zukunft interpretiert. Gemeint ist die Zukunft der Türkei innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft. Wo weite Teile des politischen Spektrums in Europa in der Frage der EU-Fähigkeit der Türken noch immer erhebliche Bedenken äußern, hegen die Akteure an den Finanzmärkten solcherlei Zweifel offensichtlich längst nicht mehr.

FRANKFURT AM MAIN. Dort wo Politiker ihre Skepsis durch populistische Argumente wie der Kopftuchfrage zum Ausdruck bringen, tickt „der Markt“ vollkommen anders. In der Finanzwelt gelten Investments in der Türkei – von vielen als „China Europas“ gesehen – unverändert als attraktiv.

Beweis gefällig? Die Aktienkurse an der Börse in Istanbul sind seit April des Jahres 2003 um mehr als 150 Prozent in die Höhe geschossen. Die türkische Lira hat sich nach der starken Abwertung zu Beginn dieses Jahrtausends in den vergangenen achtzehn Monaten wieder deutlich erholt. Und die Geld- und Kapitalmarktzinsen sind als Folge der bei der Bekämpfung der Inflation erzielten Erfolge stark gefallen. Daraus lässt sich eindeutig folgern: Die Finanzmärkte rücken die Türkei offensichtlich heute bereits näher an die EU heran als die Politik.

Betrachtet man das Türkei-Bild losgelöst von dem durch die Politik verursachten aktuellen Wirrwarr, so fällt eines sehr positiv auf: Die Türkei hat ihre vom Internationalen Währungsfonds (IWF) im Rahmen der finanziellen Hilfsprogramme auferlegten wirtschaftspolitischen Hausaufgaben nicht nur erfolgreich gemacht, sondern sich dabei auch gute Noten verdient. Analysten und Fondsmanager, die die noch bis vor wenigen Jahren als desolat zu bezeichnende finanzielle und wirtschaftliche Lage der Türkei kennen, sprechen heute bereits von „einem sehr beeindruckenden makroökonomischen Datenkranz“.

Dass die Akteure an den Finanzmärkten auf dem allerbesten Wege sind, türkischen Vermögenswerte eine Bewertung zuzubilligen, als stehe das Land bereits unmittelbar vor einem EU-Beitritt, wird verständlich, wenn bei dieser Wertung lediglich die deutlichen wirtschaftspolitischen Fortschritte gesehen werden. Für das noch immer zwischen Abend- und Morgenland schwebende Land werden jedoch nicht nur ökonomische Maßstäbe angelegt.

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