Warum ein Merkel-Sieg Norilsk Nickel nutzen würde
Politik als Kurstreiber

Wenn Angela Merkel die Wahl gewinnt, dürfte der russische Megakonzern Norilsk Nickel zu einem der größten ausländischen Profiteure der deutschen Wende avancieren.

MOSKAU. Mit der neuerdings fröhlich-strahlenden Mimik der Angela Merkel könnten sich bald auch die Lenker des russischen Megakonzerns Norilsk Nickel präsentieren. Und daran wäre die Kanzlerkandidatin der CDU vielleicht nicht einmal ganz unschuldig. Wenn sie die Bundestagswahl gewinnt, dürfte der weltgrößte Produzent von Platin-Metallen und Nickel zu einem der größten ausländischen Profiteure der deutschen Wende avancieren. Sollte Merkel dann die Konjunkturwende hinbekommen und den Deutschen Zuversicht und Kaufkraft entlocken, würde vor allem die abbremsende Automobilindustrie wieder voll durchstarten können. Konsequenz: Die Wirtschaft ordert mehr Platin und Palladium für Katalysatoren sowie mehr Nickel für Spezialstähle.

Bei allen politischen Spekulationen über Merkels mögliche Machtergreifung haben Börsianer beim Blick auf die Norilsk-Aktie natürlich auch die Metallpreise im Auge. Aber da liegen die Prognosen der Analysten viel weiter auseinander als die Vorhersagen über den Ausgang der deutschen Wahl. Nickel liefert dazu bestes Anschauungsmaterial. Auf der einen Seite jubeln die Rohstoffexperten von Morgan Stanley, das Metall habe hervorragende Fundamentaldaten. Auf der anderen Seite sehen die Fachleute von der Société Générale den Nickelpreis kräftig absacken.

Tatsächlich sinkt der Preis schon. Im Moment wird die Tonne an der London Metal Exchange für rund 14600 Dollar je Tonne gehandelt. Und auch der Aktienkurs des größten privaten russischen Bergbaukonzerns dümpelt trotz 2,5-prozentiger Steigerung des Nickel-Ausstoßes in den ersten fünf Monaten vor sich hin. Manche Aktienanalysten können das nicht verstehen. Sie sehen noch andere Perspektiven für das zum Reich des russischen Oligarchen Wladimir Potanin gehörende Unternehmen. Norilsk hat schon jetzt ein Spitzenjahr hinter sich. Das wäre angesichts der internationalen Metallkonjunktur nicht weiter verwunderlich, hätten die Mannen hinter dem Polarkreis nicht auch eigenständig Großartiges vollbracht. Nach dem eben vorgelegten, nach internationalen Buchhaltungsstandards erstellten und in US-Dollar ausgewiesenen Geschäftsbericht konnte Norilsk voriges Jahr einen neuen Rekord verbuchen.

Demnach stiegen die Norilsk-Einnahmen um 35,4 Prozent auf sieben Mrd. Dollar. Zugleich ist es dem Metallgiganten gelungen, dem Aufwertungsdruck auf die Landeswährung Rubel, der aus den hohen Öleinnahmen Russlands herrührt, und daraus resultierenden starken Lohnsteigerungen auszuweichen. Der Betriebsgewinn stieg überproportional um 87 Prozent auf 2,8 Mrd. Dollar und der Reingewinn sogar um 113 Prozent auf 1,8 Mrd. Dollar. Die Aktionäre können sich darüber freuen: Denn Norilsk wird 26,4 Prozent seines Reingewinns in Form von Dividenden an sie ausschütten.

Der Konzern legt viel Geld für Käufe von Förderunternehmen in den USA und Südafrika an. Auch in Russland selbst kauft der Konzern immer mehr Gold-Lizenzen. Dafür gliedert das Unternehmen in Kürze seine Goldsparte in eine eigene Gesellschaft aus, die an eine Börse im Westen gebracht werden soll. Doch nicht nur dieser Börsengang bringt Norilsk nach Berechnungen der Analysten von Smith Barney Citigroup 2,6 Mrd. Dollar ein. Nach Ansicht der Fachleute würde sich die Abspaltung sowohl auf die Bewertung des Goldgeschäfts als auch auf die des Kerngeschäfts mit Nickel und Kupfer positiv auswirken.

Die Aktie ist laut der US-Investmentbank weiterhin attraktiv bewertet. Schon jetzt hat der Konzern 1,3Mrd.Dollar in der Kriegskasse – trotz der Ausschüttungen. Unter diesen Voraussetzungen müssen die Norilsk-Fans vielleicht gar nicht mehr auf Merkels Wahlsieg warten.

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