Warum Kunden von Online-Brokern schlechter abschneiden als der Markt
Geringe Gebühren, schmale Renditen

Da ist es wieder, das böse Internet. Nicht nur Kinder, sondern auch Anlegern kommt das Internat teuer zu stehen, schreibt die Universität Mannheim in einer neuen Studie. Denn insbesondere Kunden von Online-Brokern erzielen im Durchschnitt meist niedrigere Renditen als der Markt, heißt es.

DÜSSELDORF. Da ist es wieder, das böse Internet. Nicht nur, dass unsere Kinder dank des World Wide Webs stundenlang vor dem Bildschirm hängen, nur noch virtuell mit den Freunden Fußball spielen, nebenbei Tütenweise Chips oder Weingummi in sich reinstopfen und dafür schon mit 15 Jahren einen Cholesterinspiegel wie ein 70-Jähriger haben. Auch Anlegern kommt das Internat teuer zu stehen, schreibt die Universität Mannheim in einer neuen Studie. Denn insbesondere Kunden von Online-Brokern erzielen im Durchschnitt meist niedrigere Renditen als der Markt, heißt es.

Die Gründe für das schlechte Abschneiden an der Börse sind dabei leicht zu finden. So ergab eine Umfrage der Universität unter den Kunden eines Online-Brokers, dass sie eher auf aktuelle Unternehmensnachrichten reagieren als auf fundamentale Daten zu achten. Außerdem neigen sie dazu, wenig diversifizierte Portfolios zu halten und ihre eigenen Fähigkeiten zur Beurteilung der aktuellen Marktlage zu überschätzen.

Spätestens seit die so genannte Behavioral Finance, die psychologische mit ökonomischen Erkenntnissen verbindet und damit das Verhalten der Investoren auf den Finanzmärkten analysiert, immer mehr Aufsehen erregt, sind diese Fehler jedoch längst bekannt. Neu ist nur, dass Anleger bei der Umstellung auf ein Online-Depot meist häufiger handeln als zuvor. Wer aber zu viel handelt, zahlt trotz der niedrigeren Gebühren am Ende drauf, so die Theorie.

Einige Forscher gehen sogar noch weiter. Auch die Märkte würden unter dem gesteigerten Handelsvolumen leiden, meinen die Experten. Robert Schiller, Professor an der Princeton University, sieht beispielsweise in dem durch das Internet angefachten Handelsvolumen einen der Gründe für die Blase am Aktienmarkt Ende der 90er Jahre.

Sollten Anleger daher möglichst schnell wieder den Stecker aus ihrem Computer ziehen und lieber auf einen Indexfonds setzen? Oder ihr Depot in die Hände eines Bankberaters oder Vermögensverwalter und sich selbst aufs Sofa legen? Nicht unbedingt!

Es mag zwar sein, dass die niedrigen Gebühren der Online-Broker Anleger dazu verleiten, mehr zu handeln. Immerhin wurden allein beim deutschen Marktführer Comdirect im vergangenen Jahr in jeden Online-Depot durchschnittlich 10,7 Transaktionen verbucht. Doch wer zwingt sie dazu?

Niemand! Wer sein persönliches Risiko, die eigene Anlagestrategie, die Entwicklung an den Aktienmärkten und die Handelskosten daher konsequent im Blick hält, kann von den Online-Brokern durchaus profitieren. Denn günstige Gebühren sind alles andere als schlecht.

Und Schuld ist – wie so oft im Leben – ohnehin nicht die Versuchung allein. Darüber wird sich wohl niemand streiten. Etwas Disziplin und Selbstkontrolle gehört eben einfach dazu – egal, ob bei dem Griff in die Chipstüte oder eben beim Online-Depot.

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