Was Anleger von Kaninchen lernen können
Börsen-Harmonie

Steckt man zwei Kaninchen in einen Käfig und erspart ihnen einen schmerzhaften Besuch beim Tierarzt, hat man in Kürze drei. Nur was hat das mit der Börse zu tun? Das zu erklären ist schon etwas komplizierter.

DÜSSELDORF. Lässt man weitere Zeit vergehen, werden aus drei Kaninchen bald fünf. Kurz darauf sind es acht, dann 13, 21, 34, 55, 89, und spätestens jetzt wird auch der größte Käfig zu klein und das Zählen schwierig. So einfach ist das in der Natur. Nur was hat das mit der Börse zu tun? Das zu erklären ist schon etwas komplizierter.

Glaubt man den Überlieferungen, hat der italienische Mathematiker Leonardo da Pisa, der später unter dem Künstlernamen „Fibonacci“ (eine Verkürzung von Filius Bonacci, also Sohn des Bonacci) arbeitete, vor fast 900 Jahren Kaninchen beobachtet und dabei eines festgestellt: Die Population wächst nach einem festen Schema. Mathematisch formulierte er das wie folgt: Die Summe der vergangenen beiden Populationsgrößen ergibt stets die Größe der aktuellen. Addiert man beispielsweise acht und 13 erhält man 21. 21 und 34 ergeben 55 und so weiter.

Noch eines ist besonders an dieser Zahlenfolge. Dividiert man jeweils eine Zahl durch die nächst kleinere, kommt man 1,618 immer näher, je größer die Zahlen sind. Andersherum sind es fast immer genau 0,618. Und auch diese Zahl ist nicht nur eine Nummer. Der Quotient entspricht dem „Goldenen Schnitt“.

Dieser wiederum gibt ein bestimmtes Verhältnis zweier Zahlen – meist Längen von Strecken – an, das in der Kunst und Architektur oft als ideale Proportion und sogar als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie angesehen wird. Einfach gesagt: Mit diesen Proportionen fühlt sich der Mensch wohl.

So hat beispielsweise schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot erkannt, dass die Cheopspyramide nach Prinzipien des „Goldenen Schnitts“ konstruiert wurde. Auch die Baupläne des Parthenon-Tempels oder der Akropolis sollen diesem mathematischen Prinzip folgen. Und sogar die Naturgesetze: Eine Sonnenblume hat beispielsweise 89 Kerne, von denen 55 nach rechts und 34 nach links zeigen. Teilt man 34 durch 55 ergibt das 0,618.

So weit, so gut. Doch geht es hier weder um die alten Griechen noch um Frühlingsblumen. Aber auch Anleger sollten sich den „Goldenen Schnitt“ merken. Er ist eines der einfachsten Instrumente, um die Entwicklungen an den Märkten zu analysieren. Denn während Anleger Börsen-Mathematikern, die Charts an die Wand werfen, mit ihren Linealen Trendlinien ziehen und mit Begriffen wie Elliott-Wellen um sich werfen, kaum folgen können, ist der „Goldene Schnitt“ leicht zu verstehen.

Steigt beispielsweise der Deutsche Aktienindex (Dax) um 300 Punkte und bewegt sich danach wieder nach unten, sollten Anleger spätestens nach einem Minus von 185 (0,618 mal 300) Zählern hellhörig werden, so die Theorie. Denn dann folge meist eine erneute Trendwende mit kräftigen Kursgewinnen, heißt es.

Die Erklärung dafür ist wieder relativ simpel. Anleger sind alles andere als rational. Sie entscheiden oftmals nach Gefühl. Wenn also der Kurs einer Aktie steigt, werden die Anleger ab einem bestimmten Niveau skeptisch – auch wenn der Anstieg fundamental gerechtfertigt ist.

Rast der Kurs hingegen in den Keller, steigen viele Anleger an einem gewissen Punkt wieder ein. „Irgendwann muss es ja wieder aufwärts gehen“, heißt es dann. Unabhängig davon, wie schlecht beispielsweise die jüngsten Quartalszahlen waren.

Für das Gefühl ist aber wiederum Harmonie entscheidend. Und die vermittelt der „Goldene Schnitt“. So liegen die oben beschriebenen Trendwenden oftmals rund um diese Zahl. Ein Grundwissen über das Paarungsverhalten von Kaninchen kann daher auch Anlegern kaum schaden.

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