Wechsel an der Spitze der US-Notenbank Fed
Keine Angst vor B.B.

Wenn Ben Bernanke heute sein Amt als Notenbankchef antritt, dann sind ihm zumindest einige Vorschusslorbeeren gewiss. Die Finanzmärkte vertrauen ihm jedenfalls erst einmal. Das ist keineswegs selbstverständlich. Denn erstens war sein Vorgänger Alan Greenspan Anlegers Liebling. Und zweitens reagieren die Börsen auf Neues häufig mit einer Portion Nervosität. Ganz besonders auf eine Personalie dieser Art.

DÜSSELDORF. Die Experten halten für solche Fälle stets Statistiken parat. Seit 1914 beklagte der ehrwürdige amerikanische Dow Jones jeweils sechs Monate nach einem neuen Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) statistisch gesehen einen Verlust von 0,17 Prozent. Bei drei der insgesamt 13 Notenbankchefs, so errechnete die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, gab es nach einer Amtszeit von sechs Monaten einen stattlichen Verlust von mehr als 20 Prozent.

So beklagte nach Beginn des Ersten Weltkriegs Charles Hamlin ein Minus von 20,2 Prozent, Eugene Meyer in den Wirren der Weltwirtschaftskrise Ende 1930 gar 27,3 Prozent, und Alan Greenspan liegt mit 26,8 Prozent nur ganz knapp dahinter. Der Oktober-Crash 1987 mit seinem größten Tagesverlust im Dow aller Zeiten erwischte Greenspan nur zwei Monate nach Amtsantritt.

Diese drei Ausrutscher prägen aber schon die Negativstatistik. Ohne sie errechnet sich ein dickes Plus, wie übrigens auch nach zwölf Monaten. Ein Jahr nach Amtsantritt eines Fed-Chefs lag der Dow im Schnitt 4,2 Prozent im Plus.

All das zeigt: Mit Hilfe der Historie lässt sich ein möglicher Kursverlust nach sechs und ein wahrscheinlicher Gewinn nach zwölf Monaten herausarbeiten. Wichtiger aber ist, ob die Finanzmärkte dem Neuen ihr Vertrauen schenken. Darauf deutet bislang alles hin. „Bernanke scheint eine gute Wahl für diesen wichtigen Posten zu sein, seine Ansichten zur Geldpolitik sind denen von Greenspan sehr ähnlich“, sagt Tony Dolphin, Chefstratege bei Henderson stellvertretend für viele Kollegen.

Wichtigster Unterschied zwischen Alt und Neu ist, dass Bernanke für eine klarere Sprache und mehr Transparenz steht. Ähnlich wie die Europäische Zentralbank könnte sich auch die Fed künftig stärker von harten Fakten und etwas weniger von Gefühlen hinsichtlich des möglichen Laufs der Wirtschaft leiten lassen.

Gefahren drohen den Aktienmärkten dagegen von den 14 Zinserhöhungen, die Greenspan seinem Nachfolger hinterlässt. Denn nur vordergründig hat der Alte dem Neuen damit das Feld bestellt. Zu glauben, das Gröbste liegt hinter den Anlegern, weil Bernanke – wenn überhaupt noch – nur noch wenige Zinsschritte verantworten muss, ist kurzsichtig. Denn üblicherweise reagieren die Börsen auf höhere Zinsen verzögert. Wenn dazu auch noch die langfristigen und für die Wirtschaft entscheidenden Zinsen anspringen, dann muss Ben Bernanke die Suppe auslöffeln und die Märkte wieder beruhigen.

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