Welche Konsequenzen sich für Investoren aus den niedrigen Renditen ergeben
Anleger im Anlagenotstand

DÜSSELDORF. Investoren in Not: Mit Geld ist kaum noch Geld zu verdienen. Die Rendite der Staatsanleihen erreicht historische Tiefstände – früher bekam man so viel auf dem normalen Sparbuch wie heute für eine zehnjährige Anleihe. Aktien treten auf der Stelle. Immobilien waren zumindest in Deutschland in den vergangenen Jahren ein schlechtes Geschäft. In anderen Ländern boomte der Markt – zum Beispiel in den Niederlanden. Aber er dürfte weitgehend ausgereizt sein.

Hedge-Fonds sind inzwischen entzaubert – viele bringen auch nur noch Sparbuchrenditen; gemessen daran treiben sie viel Aufwand. Und die Private-Equity-Fonds schwimmen in Geld und sorgen sich zunehmend, was sie damit anfangen sollen. Bleiben Rohstoffe – die große Anlagestory der letzten Jahre. Aber dort ist das Geschäft nicht einfach: Der Goldpreis ist, vor allem in Dollar gerechnet, gestiegen. Und wer auf andere Rohstoffe setzt, braucht dazu Spezialkenntnisse – und Glück. Denn letztlich handelt es sich um spekulative Anlagen. Außerdem fragt sich, ob wir nicht längst eine China-Blase haben: Am Wachstum dieses riesigen Landes hängt zum guten Teil auch der Rohstoffboom. Noch spekulativer sind Devisen.

Es gibt nur noch wenige Anlagen, die etwas mehr regelmäßige Rendite bieten. Zum einen die Unternehmensanleihen – aber das Desaster von General Motors hat gezeigt, wie hoch die Risiken sind. Außerdem gibt es inzwischen mehr Aktien als früher, die wenigstens eine ordentliche Dividendenrendite abwerfen. Aber wirklich hohe Prozentsätze zahlen wirtschaftlich gesunde Unternehmen nur selten.

Die Renditen sind also quer durch alle Märkte mager geworden. Erste Frage: Warum ist das so? Eine Erklärung ist die Politik der Notenbanken. Sie haben in den letzten Jahren viel Geld in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Zugleich sorgt die Globalisierung dafür, dass die Verbraucherpreise nicht auf breiter Front steigen. Irgendwo muss das Geld hin. Nachdem die große Blase an den Aktienmärkten geplatzt ist, bietet die Börse nicht mehr genug Raum. Dafür floss viel Liquidität in den amerikanischen Immobilienmarkt und sorgte indirekt, weil die Verbraucher ihrer Häuser höher beliehen, für den starken US-Konsum. Außerdem drängt das Geld in den Rentenmarkt – daher die niedrigen Renditen. Um es kurz zu sagen: Wenn Geld im Überfluss da ist, sinkt sein Preis – und das ist die Rendite.

Zweite Frage: Was folgt daraus? Zunächst ganz banal die Erkenntnis, dass Anleger mit hohen Sparraten für das Alter vorsorgen müssen. Wer zum Beispiel in 20 Jahren 100 000 Euro ansparen möchte, muss bei fünf Prozent Rendite rund 250 Euro monatlich zur Seite legen – bei drei Prozent Rendite dagegen mehr als 300 Euro. Politiker und Konjunkturforscher jammern zwar, dass die Deutschen zu wenig konsumieren, also zu viel sparen – aber die Bürger haben völlig Recht damit, wenn sie an ihren persönlichen Vorteil denken, statt die Volkswirtschaft retten zu wollen.

Zweitens: Der niedrige Zins sollte niemanden verleiten, zu hohe und vor allem zu einseitige Risiken einzugehen. Drittens: Weil andere Anlageformen so wenig bringen, sollte man nicht auf Aktien verzichten. Der Börsenschock sitzt tief – aber er folgte auch auf einen Börsenboom. Falsch wäre es, vom jetzigen Niveau ähnlich dramatische Abstürze zu erwarten, wie Anfang dieses Jahrtausends. Aktien bieten zwar spekulative Phantasie, aber daneben auch noch laufende Erträge. Und wer weiter an den großen Rohstofftrend glaubt, kann mit Aktien auch darauf setzen.

Letztlich haben die niedrigen Renditen auf lange Sicht Konsequenzen für die Lebensplanung. Es wird für viele Menschen schwer werden, sinkende staatliche Renten durch private und betriebliche Vorsorge auszugleichen. Damit wird diese Vorsorge nicht unwichtiger – im Gegenteil. Aber sie ist als Allheilmittel leider längst entzaubert.

Die Konsequenz für den Einzelnen: zu hohe Belastungen meiden. Vor allem bei der selbst bewohnten Immobilie. Oft wird sie konzipiert, wenn Kinder Raum brauchen, aber später halb leer weiter bewohnt. Kaum jemand macht sich klar, was das eigentlich für ein Luxus ist. Wichtig auch: Wenn die „arbeitslosen“ Einkommen nicht mehr so recht fließen, werden im Vergleich Investitionen in die eigene Arbeitskraft umso lohnender. Nicht umsonst spielen auch in der Politik die Themen Bildung und Gesundheit – letztere ist wichtig für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit – eine immer größere Rolle. Wenn in Zukunft Bildung stärker privat finanziert wird, dann finden dort vielleicht die lohnendsten Investitionen statt.

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