Weniger ist mehr
Privatanleger sollten Aktienstudien nicht überbewerten

Bankanalysten werden unter anderem dafür bezahlt, Aktienanalysen zu verfassen. Diese werden dann jedoch nicht unter das breite Anlegervolk gestreut. Otto-Normalanleger erfahren in der Regel erst lange Zeit nach den professionellen Investoren, welches Papier die Experten heraufgestuft haben, welche in Ungnade gefallen ist und wie hoch die neuen Kursziele ausfallen, die sie gesteckt haben – meist sickert dies irgendwann über Berichte in der Presse zu ihnen durch.

In Zukunft wird noch weniger Research von den großen Banken und Investmenthäusern jemals an die Öffentlichkeit gelangen. Denn viele Analystenstudien entstehen inzwischen exklusiv für die Topkunden der großen Wertpapierhäuser. Dies sind vor allem milliardenschwere Private-Equity-Fonds und Hedge-Fonds, die für maßgeschneiderte Studien extra zahlen. Was darin steht, dringt nur im Ausnahmefall nach außen. So kam kürzlich eine brisante Studie ans Licht, in der die britische HSBC-Bank exklusiv für drei Private-Equity-Fonds eine mögliche Beteiligung an der New Yorker Börse durchrechnete.

Mit solchen nicht-öffentlichen Analysen erschließen die Großbanken neue Einnahmequellen für ihre Analystenheere. Denn das traditionelle Geschäftsmodell des Bankenresearch funktioniert nicht mehr. Während des Internet-Börsenbooms arbeiteten viele Bankanalysten ihren Investmentbanken zu. Sie hielten den Kontakt zu Unternehmen und zogen lukrative Aufträge für Anleihe-Emissionen, Börsengänge und Fusionsberatung an Land.

Dadurch entstand ein Interessenkonflikt, weil die Bankanalysten kaum negative Anlageurteile fällten, um ihre Firmenkunden nicht zu vergraulen. Als die Aktienkurse im Jahr 2000 einbrachen, zwangen empörte Investoren und Aufseher die Banken zur strikten Trennung von Investmentbanking und Analyse. Damit verloren die Analysten ihren Wert als Kontaktvermittler.

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