Wer den Börsengang verschiebt, sagt in Wahrheit ab
Keiner wagt’s wieder

Die Meldungen glichen sich bei X-Fab, Siltronic und zuletzt bei ATU Autoteile Unger: Von einem Verschieben des Börsenganges war dort jeweils die Rede und von besseren Zeiten, zu denen die Emission nachgeholt werde.

FRANKFURT/M. Derzeit seien die Marktbedingungen zu schwierig, die Stimmung an den Börsen zu unsicher und vor allem der Erlös, den der Börsengang bringe, zu gering. Wer sich jedoch unter Investmentbankern, Emissionsberatern und PR-Leuten umhört und nach Namen von Unternehmen fragt, die nach einem abgesagten – pardon: verschobenen – Börsengang einen zweiten Versuch gewagt haben, der erntet Schulterzucken.

Dafür fallen die Namen von knapp zwei Dutzend Unternehmen, die irgendwann nach dem großen Börsenhype im Frühjahr 2000 noch den Sprung an die Börse versuchten, wegen geringer Nachfrage und überzogener Ansprüche absagen jedoch mussten und noch heute auf Anfrage eifrig betonen, dass ein neuer Versuch jederzeit denkbar sei, sofern sich nur das Umfeld verbessere. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit werden sie das wohl noch in Jahren von sich geben. Einziger Trost: Es bleibt ihnen die Erfahrung des bayerischen Software-Unternehmens Blaxxun erspart, das im Jahr 2001 nach einem ersten Fehlschlag auch beim zweiten Versuch scheiterte.

Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass Investoren bei Börsenkandidaten, die einmal einen Rückzieher gemacht haben, noch kritischer sind, als sie es bei Neuemissionen sowieso sind. Zu frisch sind die Erinnerungen speziell an die Fehler, die beim ersten Versuch gemacht wurden. Um das vergessen zu machen und für eine Neubewertung bei Investoren zu sorgen, reichen nicht ein oder zwei gute Quartalsergebnisse. Die Investoren fragen in solchen Fällen nach substanziellen strategischen Veränderungen im Unternehmen und einer „Story“, die gegenüber der ersten wesentlich mehr Substanz bietet. Für eine solche braucht es aber meist mehrere Jahre.

Zudem kommen mit einem neuen Versuch auch neue Kosten auf die Unternehmen zu, von denen erneut ungewiss ist, ob sie sich jemals amortisieren. Dies bezieht sich weniger auf die Konsortialbanken, schließlich gibt es mit denen in den meisten Fällen Verträge, die über mehrere Jahre laufen. Die Institute aus Versuch Nummer eins könnten also durchaus identisch mit denen bei Versuch Nummer zwei sein. Allerdings müssen neue Konzepte her, um die Investoren zu überzeugen, nachdem bereits die früheren nichts taugten. PR- und Marketing würden erneut hohe Summen verschlingen.

Ob der Aufwand lohnt, ist fraglich. Schließlich haben sich die Börsenkandidaten bereits beim ersten Versuch „fein“ gemacht. Da wurde penibel auf gute Zahlen im Vorjahr, auf nur geringe unternehmerische Risiken und beachtliche Wachstumsaussichten für die Zukunft geachtet. Mehr ging fast nicht. Und trotzdem fanden die Investoren die Aktie nicht attraktiv.

Speziell bei Tech-Werten kommt noch die Abhängigkeit von Branchenzyklen hinzu. Für X-Fab und Siltronic wäre das derzeitige Umfeld eigentlich ideal für den Börsengang gewesen. Trübt es sich, wie von Experten bereits vorhergesagt, im kommenden Jahr ein, dann ist ein Zweitversuch sowieso Utopie. Zumal wie bei X-Fab, Siltronic oder ATU Großinvestoren aussteigen wollen, die nach dem ersten Fehlversuch nach anderen Wegen für den „Exit“ suchen. Es muss ja nicht der Börsengang sein. Es bleibt also dabei: Wer seinen Börsengang verschiebt, sagt ihn in Wahrheit ab. Das dürfte auch für X-Fab, Siltronic und ATU gelten.

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