Wettbewerb
Heidelberg hofft auf den Yen

Auf den ersten Blick kennt die kräftige Erholung des japanischen Yen in den vergangenen zwei Wochen nur Verlierer: Spekulanten zahlen aus Angst vor Währungsverlusten die zu Niedrigstzinsen aufgenommenen Yen-Kredite zurück. Es droht ein Ende der seit Jahren beliebten Strategie, mit billigem Geld aus Japan rund um den Globus Aktien, Anleihen und Immobilien zu kaufen. Doch für manche Unternehmen ist das Wiederstarken des Yens ein Segen.

DÜSSELDORF. Dazu zählt etwa auf Grund einer seltenen Wettbewerbssituation die Heidelberger Druckmaschinen AG. Deren schärfste Wettbewerber außerhalb der Euro-Zone – Komori und Mitsubishi – haben ihren Sitz in Japan. Angesichts des massiven Verfalls des japanischen Yen gegenüber dem Euro verwundert es nicht, dass der Heidelberger-Kurs dem Gesamtmarkt seit Jahren latent hinterherhinkt. Mit einem aktuellen Kurs von 33 Euro notiert die Aktie 55 Prozent unter den Höchstkursen aus dem Jahr 2000.

Seit damals verlor auch der Yen gegenüber dem Euro über 50 Prozent an Wert. In den vergangenen zwei Jahren schwächte er sich auch gegenüber dem US-Dollar um mehr als zehn Prozent ab. Diese Yen-Verluste waren eine willkommene Exporthilfe für japanische Unternehmen. Sie konnten ihre Preise drastisch senken, ohne in ihrer Heimatwährung weniger zu erlösen. Ein Ende der Yen-Talfahrt gegenüber den übrigen Währungen wäre daher ein Segen für Heidelberger Druck. Im Markt für Bogenoffsetdruck schätzt Goldman Sachs den weltweiten Marktanteil von Heidelberger Druckmaschinen auf 48 Prozent.

Wettbewerber wie MAN Roland, die ebenfalls börsennotierte Koenig und Bauer sowie die japanische Komori kommen auf je 13 bis 14 Prozent. Allen Unkenrufen von einer fortschreitenden Digitalisierung zum Trotz wächst der Druckmaschinenmarkt weltweit, getrieben vor allem von Schwellenländern, mit drei bis fünf Prozent pro Jahr.

Als klassische Spätzykliker sind Industriewerte wie die Aktie von Heideldruck allerdings nichts für schwache Nerven. Der Konjunkturaufschwung greift bei ihnen erst sehr spät in Form von vollen Auftragsbüchern. Zu diesem Zeitpunkt betreten meist auch die ersten Bären das Börsenparkett und zweifeln am Aufschwung.

Die zuletzt schwache Kursentwicklung von Heideldruck ließ allerdings auch die Bewertung zusammenschmelzen. Binnen eines Jahres gab die Heideldruck-Aktie um rund sieben Prozent ab, während der MDax im gleichen Zeitraum um 18 Prozent zulegte. Derzeit wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf bewertet, die Dividendenrendite liegt bei 3,4 Prozent.

Im Zuge des Beteiligungsabbaus des alten Mehrheitsaktionärs RWE stieg der Anteil der frei handelbaren Heideldruck-Aktien auf 70 Prozent. Mit einer im Juni fälligen Wandelanleihe klettert er auf 85 Prozent. Das dürfte auch die seit Jahren kursierenden Übernahmegerüchte des an der Börse mit 2,7 Milliarden Euro bewerteten Konzerns zusätzlich befeuern.

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