Wette in den USA: Spekuliere auf fallende Immobilienpreise
Immobilien-Lawine rollt durch die USA

Eine Wette auf fallende Häuserpreise könnte sich lohnen. Noch lockt die aber Blase immer mehr Käufer an.

HB NEW YORK. Dass konträre Anlagestrategien langfristig überdurchschnittliche Renditen abwerfen, haben wissenschaftliche Studien bewiesen. Und die wohl konträrste – sprich am stärksten gegen den Markttrend gerichtete – Wette in den USA lautet: Spekuliere auf fallende Immobilienpreise.

Doch das ist leichter gesagt, als getan. Denn die Mieten am New Yorker Wohnungsmarkt sind horrend. Monat für Monat wächst mit jeder Überweisung die Verlockung, vom Mieter zum Hausbesitzer zu werden. Grundbesitz macht reicht, suggerieren unzählige Anekdoten aus dem Freundeskreis. Man hört, jener Kollege habe den Wert seines Hauses bereits verdoppelt, seit er vor anderthalb Jahren zugriff. Ein anderer lächelt nur fein (und ein wenig mitleidig mit dem armen Mieter), wenn die Rede auf die phänomenale Wertsteigerung seines Reihenhäuschens kommt. Warum haben wir noch nicht gekauft, fragt sich die Ehefrau.

An den Einbruch der Wohnungspreise Anfang der 90er Jahre erinnert sich im schnelllebigen New York dagegen längst niemand mehr. Wen interessiert heute schon, dass die Preise damals um ein Drittel einkrachten? Viel interessanter klingt doch, dass ein durchschnittliches Apartment auf New Yorks Inselzentrum Manhattan schon seit sechs Monaten über eine Mill. Dollar kostet. Zuletzt waren es genau: 1 069 445 Dollar, das sagt jedenfalls eine Studie des Maklerhauses Douglas Elliman für das dritte Quartal.

Und die Preise steigen weiter. nach Angaben der Behörde Office of Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO), so eine Art Immobilienaufsicht, kletterte der US-weite Preis eines typischen Ein-Familienhauses zwischen dem 30. September 2003 und 2004 um 13 Prozent. „Der Preisanstieg hat sich von einem bereits hohen Tempo noch einmal beschleunigt“, staunt OFHEO-Chef Armando Falcon.

Nur ganz griesgrämige Zeitgenossen wie Stephen Roach wollen darin eine Spekulationsblase erkennen, die früher oder später platzen muss. Der Berufspessimist – Chefvolkswirt der New Yorker Investmentbank Morgan Stanley – sieht die schwindelerregenden Steigerungsraten als Zeichen für einen irrationalen Boom. Einer der wenigen, die ähnlich urteilen, ist Finanzprofessor Robert Shiller von der Elite-Universität Yale.

Shiller veröffentlichte kurz vor dem Börsensturz im Frühjahr 2000 seinen Bestseller „Irrationaler Überschwang“. Doch selbst ihm gehen angesichts des schier endlosen Immobilienbooms die Argumente aus. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, erzählt Shiller hilflos über besorgte Anfragen von Bekannten und Verwandten, die wissen wollen, ob sie auf niedrigere Hauspreise warten oder besser sofort kaufen sollen.

„Die weit verbreitete Furcht, dass die Preise morgen noch höher steigen, treibt derzeit viele Amerikaner in den Wohnungsmarkt“, sagt Shiller. Der Finanzprofessor sieht darin ein Indiz für eine Spekulationsblase. Denn fundamental nicht begründbare Wertentwicklungen entwickeln häufig einen Lawineneffekt, der auf seinem Weg ins Tal immer mehr Schnee mit sich reißt.

Was könnte die Hauspreis-Lawine stoppen? Professor Shiller erinnert an zwei frühere US-Immobilienbooms, die beide erst durch eine Rezession der Gesamtwirtschaft endeten. „Nur leider lassen sich Rezessionen sehr schwer prognostizieren“, sagt der Gelehrte.

Das ist schade. Denn die möglichen Erträge einer konträren Spekulation auf fallende Hauspreise sind enorm. So fiel der Preis für Ein-Familienhäuser im besonders volatilen Los Angeles an der US-Westküste zwischen 1990 und 1997 inflationsbereinigt um 41 Prozent. Auf Hauspreise selbst können Anleger zwar nicht wetten. Shiller selbst arbeitet derzeit noch an der Einführung mehrere Wertpapiere auf die US-Häuserpreise, gemeinsam mit der American Stock Exchange in New York und der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange.

Aber mutige Investoren können über US-Onlinebroker und auch einige deutsche Wertpapierhäuser auf fallende Kurse von besonders hauspreissensiblen Aktien spekulieren. Dazu zählen etwa die Baumärkte Home Depot und Lowe's, ebenso wie die staatlich geförderten US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Auch US-Hausbauer wie Lennar gerieten bei einem Preissturz unter die Räder.

Die konträrste Reaktion für New Yorker lautet jedoch: Einfach nicht kaufen und Mieter bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%