White-Label-Zertifikate sind verpackte Markenware
Das Aldi-Prinzip

Fast jede kleine Bank an der Ecke verkauft inzwischen große Assets. für das Depot ist der Lockruf für den interessierten Privatkunden. Und schon landen Zertifikate im Depot, deren Kurs vom Rohölpreis, von Schweinehälften oder dem thailändischen Bath abhängt.

FRANKFURT/M. Schon mal darüber gewundert, wie die kleine Bank an der Ecke die ganz großen Anlagethemen verkaufen kann? Rohstoffe, Währungen, weltweite Aktienindizes – hübsch verpackt in Anlagezertifikaten und Hebelprodukten – verkauft fast jede Provinzfiliale inzwischen die großen Assets. Diversifizierung für das Depot ist der Lockruf für den interessierten Privatkunden. Und schon landen Zertifikate im Depot, deren Kurs vom Rohölpreis, von Schweinehälften oder dem thailändischen Bath abhängt.

Sparkassen- und Volksbank-Berater verkaufen obendrein Papiere, deren Konstruktion dermaßen kompliziert ist, dass man schon in Finanzierung promoviert haben muss, um den Wert der darin enthaltenen Optionen berechnen zu können. Unwahrscheinlich, dass sich kleine Institute solche Experten leisten können. Wie kommen die Institute an die Finanzprodukte?

Klar ist: Nur die großen Geldhäuser beschäftigen eigene Rohstoffhändler oder gar Analysten für asiatische Währungen. Diesen Sachverstand braucht ein Emittent aber, wenn er Anlagezertifikate auf Basis solcher Werte konstruieren will. Denn die Zertifikatehersteller kaufen am Markt komplizierte Derivate wie Optionen, Futures oder Swaps, um den Kursverlauf des jeweiligen Basiswertes an Privatanleger weitergeben zu können. Trotzdem bieten auch Emittenten ohne große Handelsabteilung eine Fülle der innovativen Papiere an.

Die Lösung des Rätsels kennen Anleger aus dem Supermarkt: Die Emittenten kaufen die Papiere schlicht im Großhandel – bei der Konkurrenz. Genauer gesagt, lassen sie sich von einem spezialisierten Haus eine Struktur bauen, beispielsweise ein Discountzertifikat auf einen osteuropäischen Nebenwerte-Index. Dann klebt der Käufer sein Markenschild (einen Wertpapierprospekt) auf das Zertifikat und gibt es in den eigenen Vertrieb. „White Label“-Produkte nennt die Branche die eingekauften und umetikettierten Zertifikate.

Sie folgen dem Aldi-Prinzip: Wo Postbank draufsteht, ist die Investmentbank Goldman Sachs drin. Und genauso wie der Billigsupermarkt machen die Banken ein großes Geheimnis daraus, welche Hersteller sich hinter den phantasievollen Produktnamen verbergen.

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