Wider die Teuerung
Inflationsgeschützte Anleihen streuen das Risiko

Die neu entflammte Diskussion um Inflation, Wirtschaftswachstum und Zinserhöhungen trifft den deutschen Anleger ins Mark. Ist sein Depot doch gefüllt mit vermeintlich sicheren Anleihen, an deren Rendite nun ein anziehendes Preisniveau nagt. Mit der Inflation steigen die Kapitalmarktzinsen, weshalb bereits am Markt existierende Anleihen mit niedrigeren Zinsen im Vergleich unattraktiver werden. Im Gegenzug sinkt deren Kurs. Dagegen schützen kann man sich ebenfalls mit Bonds – mit Zinstiteln mit Inflationsschutz.

Diese Zinspapiere bergen ein ähnliches Kreditrisiko wie normale Staatsanleihen, weil sie überwiegend von Ländern auf den Markt gebracht werden. Bei inflationsgeschützten wie klassischen Anleihen erhält der Anleger regelmäßige Zinszahlungen über den Kupon und am Ende der Laufzeit sein Kapital zum Nennwert zurück. Allerdings bieten die auch Linker genannten inflationsindexierten Bonds mehr: Je nach Entwicklung des Preisniveaus werden Zinsscheine und der Ausgabekurs der Anleihe regelmäßig angepasst.

Anleihen aus der Euro-Zone etwa sind gekoppelt an den harmonisierten europäischen Verbraucherpreisindex ohne Tabakpreise. Steigt also die Inflationsrate in dem Land, in dem ein Linker ausgegeben wurde, bekommt dieser Inflationspuffer-Bond einen Zins- und Kursaufschlag. Normale Anleihen sinken dagegen im Kurs. Damit entwickeln sich die Linker stabiler als normale Anleihen, weil sie an das Realzinsniveau gekoppelt sind. Diesen Inflationsschutz bekommt der Anleger nicht umsonst. Die Kupons der Antiinflationsbonds sind deutlich niedriger als die anderer Bonds. Die Differenz spiegelt die Inflationserwartungen wider und zeigt sich in der so genannten Break-even-Rendite. Bei französischen Staatsanleihen mit langer Laufzeit liegt sie beispielsweise aktuell bei 2,1 Prozent, bei US-Staatsbonds sind es zurzeit sogar fast 2,5 Prozent.

Als attraktiv gelten die Linker immer dann, wenn die Break-Even-Rendite niedriger ist als die Inflationserwartungen. Das gilt nach Ansicht von Experten vor allem für die US-Linker. Dort sind die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent gestiegen. Europäische Inflationsanleihen, etwa aus Frankreich, Italien und Griechenland, gelten zumindest nicht mehr als teuer. Die Inflationsrate in Euroland liegt bei 2,6 Prozent. Und zumindest für die nächsten Monate rechnen Ökonomen mit weiter steigenden Preisniveaus.

Wer sein Depot absichern möchte, kann Linker kaufen. Auch für den langfristigen Horizont raten die Strategen der Banken, zu dem Rentenanteil des Depots einen kleineren Teil Inflationspuffer-Bonds beizumischen, um die Risiken zu streuen. Privatanleger können aber auch über Investmentfonds nachdenken, die immer zahlreicher auf den Markt kommen. Diese haben – trotz der geringen Kupons der Linker – in den vergangenen Jahren deutlich besser abgeschnitten als die Fonds mit nominalen Anleihen. Gute Fonds erzielten in den vergangenen Jahren gut neun Prozent Rendite jährlich, während die „normalen“ Staatsanleihenfonds im Durchschnitt lediglich sechs Prozent im Jahr einbrachten. Grund: Fondsmanager von Linker-Fonds setzen stärker auf Bonds mit langen Laufzeiten, die mehr einbringen als Kurzläufer.

Bekannter und gefragter dürften die Linker überdies werden, wenn auch Deutschland diese Papiere emittiert. Das weltweite Marktvolumen wächst bereits immens dank der Emissionen großer Schuldner wie USA, Kanada, Frankreich oder Italien. Seit Anfang vergangenen Jahres hat sich das Volumen in etwa verdoppelt und beläuft sich nun auf rund 800 Milliarden Euro. Neben Deutschland denkt auch die Schweiz über die Emission von Linkern nach. In der Euro-Zone soll das Volumen bis Ende des laufenden Jahres rund 120 Milliarden Euro betragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%