Wie Dax-Unternehmen Anleger abschrecken
Fallen im Internet

Privatanleger, die schnell Informationen suchen, werfen oft als erstes einen Blick ins Internet. Dabei sind sie sehr anspruchsvoll geworden, was die Qualität von Internetseiten (Websites) angeht.

HB FRANKFURT. Es darf nicht allzu lange dauern, bis sich die Seite aufbaut, sonst wenden sich die Investoren genervt ab. Zahlreiche aufwendig in Szene gesetzte Grafiken, deren Aufbau aber leider lange dauert, kommen da nicht gut an. „Heutzutage kann man niemanden mehr mit schlechtem Content und markigen Sprüchen hinter dem Ofen hervorlocken – die Qualität muss stimmen“, betont etwa Internetexperte Philipp Wachter von Onvista.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die Websites vieler der 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex noch erhebliche Schwachstellen in puncto Nutzwert für Anleger aufweisen. Das zumindest zeigt eine Studie der SirValUse Consulting GmbH aus Hamburg.

Zwei Aspekte wurden unter die Lupe genommen: Sind die Websites benutzerfreundlich gestaltet – kann man beispielsweise die gesuchte Information schnell finden? Und ist ihr Informationsbereich ergiebig – stehen dort zum Beispiel Ad-hoc-Meldungen?

Dabei haben Marktbeobachter allgemein festgestellt, dass die Nutzer von Internetseiten heutzutage dem ersten Thema, also der Benutzerfreundlichkeit des Systems, immer mehr Gewicht beimessen. Interessant ist: Der Studie der Hamburger zufolge haben viele Dax-Unternehmen genau in diesem Bereich Schwachstellen. Schelte kassiert dabei etwa die Allianz, bei der die „mangelnde Auffindbarkeit“ von Informationen kritisiert wird. Bei der Deutschen Börse fange es bereits mit der Suche nach dem Investor-Relations-Bereich an, der sich nicht - wie oft bei anderen Unternehmen – hinter einem dafür vorgesehen Link auf der Navigationsleiste befinde.

Mängel stellte SirValUse Consulting auch bei der Navigation fest. Da habe etwa SAP Lücken: Das Unternehmensprofil sei nur über die Suchfunktion zu erreichen. Bei anderen Unternehmen kritisiert die Studie, dass Suchfunktionen komplett fehlen oder nur schlecht funktionieren. Als Beispiel dafür wurde der Elektonikkonzern Siemens genannt.

Bei der Informationsfülle schneiden die Unternehmen besser ab. So bieten bereits 73 Prozent einen Online-Geschäftsbericht. Altana und Siemens stehen dabei allerdings in der Kritik: Bei Altana öffne sich der Bericht zwar am Bildschirmrand, doch die Größe des Fensters lasse sich nicht anpassen, und eine Zurücknavigation gebe es nicht. Der Bericht bei Siemens enttarne sich lediglich als eine Verlinkung zu PDF-Dokumenten. Die beste Bewertung der Hamburger sowohl im Informationsbereich als auch bei der Benutzerfreundlichkeit erhielt übrigens Thyssen-Krupp.

Diese Ergebnisse sollten die Unternehmen zu Verbesserungen anhalten. Dabei sollten sie auch beachten, dass für Websites generell gilt: weniger ist mehr. Und: Aktualität muss im Vordergrund stehen. Das heißt beispielsweise auch, dass Pressemitteilungen im Internet zu finden seien sollten. Es reicht nicht, lediglich die Unternehmenszahlen an die Medien herauszugeben – die Daten müssten auch auf den Websites des Unternehmen zu finden sein.

Sinnvoll ist außerdem, an die Unternehmensseite gewöhnte User nicht mit allzu radikalen Veränderungen zu verschrecken. Das ist beispielsweise der Comdirect-Bank gelungen. Untersuchungen belegen, dass Nutzer, die sich einmal an eine Site gewöhnt haben, ihr in der Regel treu bleiben. Schockt man einen User mit zu drastischen Veränderungen, wandert er ab und sucht sich alternative Portale.

Übrigens zeigen Umfragen, dass es einen Zusammenhang zwischen Investor-Relations-Arbeit und Kursperformance gibt. Wenn die regelmäßige Überprüfung und Nachbesserung der Investor-Relations-Websites den Aktienkurs tatsächlich hochzieht, dann freuen sich Anleger gleich doppelt.

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