Wie H&M vom Wegfall der Handelsquoten profitiert
Unbegrenzter Handel

Die jüngsten Zahlen des schwedischen Bekleidungsherstellers H&M sind ein deutlicher Beleg dafür, was passiert, wenn China Europa hemmungslos mit Textilien überschwemmen darf.

BERLIN. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 verdiente H&M operativ 243 Mill. Euro und damit 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch das zweite Quartal läuft gut: Im März stiegen die Umsätze um satte 20 Prozent. Und im April verkaufte der Konzern 15 Prozent mehr. Derlei Wachstum hat sich auch im Aktienkurs niedergeschlagen. Mit Kursen jenseits der Marke von 255 schwedischen Kronen sind die H&M-Anteilsscheine so teuer wie seit fünf Jahren nicht mehr – ganz zur Freude des Haupteigentümers, der schwedischen Familie Persson.

Der Wegfall der Handelsquoten für asiatische Textilprodukte hat der H&M-Aktie neuen Schwung gebracht. Seit Jahresanfang darf H&M mehr Waren als bislang in China einkaufen. Insgesamt stiegen allein im Januar die Importe der europäischen Textilbranche aus China um 47 Prozent. Nach offiziellen chinesischen Zahlen erhöhten sich die gesamten Textilexporte in den ersten zwei Monaten dieses Jahres um 34,6 Prozent.

Und so wie die Liefermenge steigt, fallen die Preise: Seit Jahresbeginn beantragten Unternehmen aus China in der EU Einfuhrgenehmigungen für 373 Millionen T-Shirts – fünfmal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig sank der Stückpreis um 40 Prozent auf durchschnittlich 1,41 Euro. Ähnlich sieht es bei Strickwaren aus – neunmal mehr Importlizenzen und um ein Drittel niedrigere Preise.

So liegen die H&M-Einkaufskosten trotz des Umsatzwachstums mit 600 Mill. Euro kaum über denen des Vorjahres, in schwedischen Kronen gerechnet sind sie sogar leicht rückläufig. Die Schweden kaufen also billiger ein, geben die niedrigeren Einkaufspreise aber kaum an den Kunden weiter. Im März kostete Bekleidung in Deutschland durchschnittlich nur 1,6 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Kein Wunder, dass die Gewinnmarge bei H&M von 14,5 auf 17,5 Prozent gestiegen ist.

Und weiteres Gewinnwachstum ist programmiert: Zum einen, weil der Konzern einen Teil der Waren, die er im ersten Quartal verkaufte, noch vor Änderung der Handelsbestimmungen und damit teurer eingekauft hat. Zum anderen, weil geringere Nachlässe beim Abverkauf alter Ware und der gesunkene Lagerbestand das H&M-Ergebnis stärken.

Die Gewinne steckt H&M in Expansion. Bis Ende Mai sollen 61 neue Filialen eröffnet sein, im wichtigsten Absatzmarkt Deutschland allein zwölf. In Irland eröffnete kürzlich das erste H&M-Geschäft, damit verkauft die Gruppe in nunmehr 21 Ländern ihre Billigmode.

An den rosigen Aussichten könnte allerdings die EU etwas ändern. Handelskommissar Peter Mandelson hat China aufgefordert, die Exporte freiwillig zu drosseln. Gleichzeitig beantragte er bei der Kommission, die Importentwicklung von bestimmten Waren genauer zu untersuchen. Dieser formelle Schritt ist die Voraussetzung für neue Einfuhrbeschränkungen, über die schon in zwei Monaten entschieden werden könnte. Dabei beruft sich Mandelson auf eine Klausel, die mit China vereinbart wurde, als das Land 2001 der Welthandelsorganisation WTO beitrat. Diese erlaubt noch bis zum Jahr 2008 Beschränkungen für die Exportwaren aus dem Reich der Mitte, wenn sie allzu starke Markterschütterungen verursachen. So wie jetzt.

In diesem Fall dürfte es H&M wohl kaum gelingen, die hohe Eigenkapitalrendite von 33,6 Prozent zu verteidigen. Und bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Jahr von über 20 wäre die Aktie dann anfällig.

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