Bulle + Bär
Wie in Boomzeiten

Nach zwei guten Quartalen wird die Börsenluft nun wieder dünn.

Das zweite Quartal war glänzend, das dritte startete furios, endete aber schlapp. Zum Schluss bleibt immerhin ein minimales Plus. Dennoch: Seit Anfang 2000, als die Aktien-Euphorie mit einem Dax von über 8 000 Punkten ihr Top erreichte, gab es nicht mehr zwei aufeinander folgende Quartale, in denen die Aktienkurse zulegten.

Dass die Börsen ausgerechnet in den gewöhnlich eher schwachen Sommer- und Herbstmonaten an alte Erfolgszeiten anknüpfen, verdanken sie nicht besseren Konjunktur- und Unternehmenserwartungen, die Anleger gewöhnlich zum Aktienkauf nutzen. Vielmehr war die Ausgangslage Anfang des Jahres extrem niedrig und der Nachholbedarf entsprechend groß. Deshalb sagen die Kursgewinne im zweiten und dritten Quartal wenig über künftige Erwartungen voraus.

Vor Beginn der eindrucksvollen Rally im März, die erst vor zwei Wochen einen Halt fand, waren die Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) weniger wert als sie an Eigenkapital auswiesen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis war einstellig und niedrig wie nie zuvor. Weniger die konjunkturelle Lage, sondern Ängste vor einem unkontrollierten Irak-Krieg, Sorgen vor Terrorangriffen und Spekulationen über Bankenpleiten hatten den Dax bis auf 2 200 Punkte fallen und damit innerhalb von drei Jahren fast drei Viertel seines Wertes einbüßen lassen.

Das rasche Ende des Irak-Kriegs, aufhellende Stimmungsindikatoren und konjunkturelle Hoffnungszeichen in den USA ließen Anleger rasch zur Aktie zurückfinden. Die niedrigen Zinsen in Euroland und den USA begünstigten die Entwicklung. Nach zweistelligen Zuwachsraten im zweiten Quartal – Dow Jones, S&P 500, Stoxx 50 in Europa und der Dax kletterten zwischen 12 % und 33 % – gab es zwischen Juli und September noch einmal ein Plus zwischen knapp 1 % (Dax) und 4 % (Dow). Aktienfonds profitierten davon: Sie legten ebenfalls das zweite Quartal in Folge zu.

Dass Aktien wie Infineon, Continental, MAN und Siemens mit einem Quartalsgewinn von 24 % bis 38 % im dritten Quartal zu den Siegern im Dax gehören, zeigt, wie sehr Anleger auf den Nachholeffekt – diese Aktien litten in der Baisse am meisten – und gleichzeitig auf die konjunkturelle Belebung setzten. Zykliker und Technologiewerte sind in so einem Szenario gefragt. Dagegen blieben Pharma- und Versorgertitel wie RWE, Schering und Eon – sie hielten sich in der Baisse am besten – mit Verlusten zwischen 5 % und 10 % in der Anlegergunst außen vor.

Kräftige Kursverluste in den vergangenen Handelstagen, die dem Dax mehr als 10 % kosteten, sind für sich allein genommen kein Grund zur Sorge. Die Börsenweisheit „Je stärker der Anstieg, desto größer der Fall“ bestätigt sich. Selbst Verluste von 20 % oder 25 % würden die Baisse noch nicht wieder aufleben lassen, auch wenn der Aufwärtstrend gebrochen wäre.

Mehr Sorgen als die jüngsten Verluste bereitet das Börsenumfeld. Die Unterbewertung auf Grund der extremen Belastungsfaktoren im Frühjahr ist nach der Rally im zweiten und dritten Quartal abgebaut, die Rückkehr zur Normalität wieder hergestellt. Ungleichgewichte in den USA – Leistungsbilanzdefizit, Verschuldung des Staates und der Konsumenten – und Strukturschwächen in Euroland lassen ebenso wenig einen langen Börsenaufschwung zu wie der schwache Dollar.

Vor allem die gegenüber den USA immer wieder als unterbewertet bezeichneten europäischen Börsen dürften es bei einem weiter steigenden Euro schwer haben, weil sich die Exportchancen der Unternehmen auf dem alten Kontinent erschweren. Deshalb wird die Börsenluft nach dem großen Plus im zweiten und dem kleinen Zugewinn im dritten Quartal im letzten Jahresviertel noch dünner als in den vergangenen drei Monaten.

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