Wincor & Co. zeigen: Der Entry Market ist nötig
Praxisnahes Lernen

Manchmal hilft die Praxis einer vorher nur vage formulierten Idee auf die Sprünge. So ist es auch beim Entry Market. Unter diesem Namen soll mittelständischen Unternehmen das Thema Börsengang schmackhaft gemacht werden.

FRANKFURT/M. Schon vor einem halben Jahr hat dies die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) mit ihrem Vorschlag initiiert. Doch in der Vorweihnachtszeit konnte weder am Finanzmarkt irgendwer etwas damit anfangen, noch war klar, für wen die Initiative überhaupt bestimmt sein sollte. War doch in dieser Zeit weit und breit kein Börsengang in Sicht.

Inzwischen befindet sich ein Kriterienkatalog, in dem unter anderem festgelegt wird, wie Mittelständler auf den Börsengang vorbereitet werden sollen, nach Auskunft der Deutschen Börse in der Umsetzung. Nach wie vor steht dabei das so genannte Mentoren-Modell im Mittelpunkt. Dabei wird den Unternehmen eine Person zu Seite gestellt, die sie vor, während und bis zu zwei Jahre nach dem Börsengang berät. Die Praxis – inzwischen gibt es zwei geglückte und zwei missglückte Börsengänge in Deutschland – zeigt, wie nötig ein unabhängiger und erfahrener Berater wäre, um die Formalien einzuhalten, Unwägbarkeiten gering zu halten und Peinlichkeiten zu vermeiden. Kurzum: Fettnäpfchen, die es zuhauf gibt, zu umgehen. Schließlich tickt die Finanz- Community völlig anders als das geschäftliche Umfeld, in dem sich der Mittelständler sonst bewegt.

Beispiel X-Fab: Sätze bei der Präsentation vor Presse, Analysten und Investoren wie „Jetzt helfen Sie uns, das hier möglichst schnell durchzuziehen, um bald wieder an unsere Wafer zu kommen“, lösen beim Publikum im günstigsten Fall Kopfschütteln aus. Gemeinhin gelten sie als Indiz, wie ernst es das Unternehmen überhaupt mit dem Thema Kapitalmarkt meint. Aber auch die anderen Unternehmen, die in diesem Jahr den Sprung an die Börse versuchten, haben sich nicht immer mit Ruhm bekleckert – zumindest, was den öffentlichen Auftritt betrifft.

Beispiel Wincor Nixdorf: Dort löste der Auftritt vor Investoren Unverständnis aus, bei dem das Management gleich zu Beginn klar machte, dass es wegen des engen Zeitrahmens nur eine Stunde für die Großanleger eingeplant hat. In der versammelten Frankfurter Investorengemeinde blieben deshalb viele Fragen unbeantwortet. Verkäufer in eigener Sache sehen anders aus, hieß es hinterher unisono. Entsprechend verstimmt zogen viele Großanleger von dannen und quittierten die Behandlung mit ausbleibenden Zeichnungsaufträgen.

Die Liste peinlicher Momente ließe sich nach nur vier Börsenkandidaten noch um einiges erweitern. Fakt ist, dass viele Unternehmen ein Manko aufweisen, was die Vermittlung der eigenen Botschaft und den Umgang mit der Finanzwelt anbelangt. Dies setzt sich oftmals – wie die Vergangenheit belegt – nach dem Börsengang in gleicher Weise fort. Eine ob nun Mentor oder anders genannte Person könnte hier sicherlich Abhilfe schaffen. Und ein als Entry Market tituliertes Markenzeichen, das an den Prime Standard angeknüpft ist, könnte ebenfalls helfen, damit diese Unternehmen einen leichteren Stand bei Investoren haben. Demonstrieren diese damit doch, dass sie sich zwar noch in der Lernphase, aber dennoch in erfahrenen Händen befinden.

Wir fassen zusammen: Der Entry Market hat allein deswegen seine Berechtigung, weil er bei der Betreuung eines Börsenkandidaten die Lücke schließt, die sich bislang noch zwischen der Arbeit der Konsortialbanken und der PR-Agenturen auftut. Wichtig wäre jetzt, dass die Deutsche Börse endlich den Kriterienkatalog vorlegt. Denn damit können die Börsenkandidaten der Zukunft die Fehler ihrer Vorgänger vermeiden.

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