Zahl der Index-Kandidaten könnte bald steigen
Anleger spekulieren auf Conti und Puma im Dax

Seit gut einem Dreivierteljahr – genauer gesagt seit dem Aufstieg von Altana in den Deutschen Aktienindex (Dax) – quält die Deutsche Börse ein Problem: Es gibt kein geeignetes Unternehmen mehr, das in den Index der deutschen Top 30 aufrücken könnte.

FRANKFURT. Beiersdorf gilt nach wie vor als Übernahmekandidat. T-Online hat mit weniger als 20 % viel zu wenig Streubesitz und wird immer noch vor allem als Tochter der Deutschen Telekom gesehen. Als Konsequenz daraus wird bereits seit einem Jahr die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP im Dax mitgeschleppt, obwohl dessen Marktkapitalisierung teilweise unter das Niveau durchschnittlicher MDax-Werte wie Pro Sieben Sat 1 oder IVG Immobilien rutschte.

Nun aber naht Rettung: Aus dem Hintergrund kommt mit Riesenschritten Puma angeprescht. Lag die Aktie des fränkischen Sportartikelherstellers, der inzwischen auch die Laufstege dieser Welt erobert, noch im Januar in puncto Marktwert lediglich auf Platz 48, rückte sie bis Juni bis auf Platz 33 vor. Zuletzt stieg sie um 6 Ränge innerhalb eines Monats. Und die Tendenz zeigt weiter nach oben, da auch der Aktienkurs der Wildkatze weiter zulegt. Puma wäre urplötzlich Dax-Kandidat, würde nicht beim zweiten entscheidenden Kriterium – den Börsenumsätzen – noch ein Tick fehlen. Dort stehen die Herzogenauracher derzeit auf Platz 37 – Platz 35 wäre aber nötig.

Inzwischen sind die Taktierer unter den Anlegern am Werk. Noch gut zwei Wochen haben sie Zeit, um die Börsenumsätze von Puma nach oben zu treiben und die nötigen zwei Plätze gut zu machen. Entsprechende Tendenzen sind inzwischen am Markt bekannt, wie auch Händler bestätigen. Der Anfang August von der Deutschen Börse veröffentlichten Rangliste für Juli werden die Anleger dann entnehmen können, ob ihr Vorhaben, Puma zum Dax-Kandidaten zu machen, von Erfolg gekrönt war oder nicht. Letzte Instanz wäre dann am 19. August der Arbeitskreis Aktienindizes, der über den Aufstieg entscheiden müsste. Wer darauf spekuliert, hat vor allem eines im Hinterkopf: Würde Puma in den Dax aufgenommen, würden noch mehr als bisher schon institutionelle Großanleger in die Aktie investieren und der Kurs, der in den letzten zwei Jahren schon explodierte, hätte weiteres Aufwärtspotenzial.

Doch neben Puma hat inzwischen noch ein zweites Unternehmen seine Chancen erheblich verbessert: Continental. Der Hannoveraner Reifen-Hersteller muss lediglich bei den Börsenumsätzen einen Platz nach vorne rücken, von derzeit Rang 36 auf Rang 35, um als Dax-Kandidat zu gelten. Die Chancen dafür stehen gut, da das Unternehmen erst in dieser Woche mitgeteilt hat, alle eigenen Aktien an der Börse verkauft zu haben. Der Streubesitz liegt nun bei sagenhaften 100 %. In puncto Marktkapitalisierung ist Continental sowieso bereits Dax-reif, liegt man hier schon seit geraumer Zeit auf Platz 29. Sollte es Continental gelingen, in den Dax aufgenommen zu werden, würde ganz nebenbei auch das eherne Gesetz „They never come back“ der Vergangenheit angehören. Bisher ist es keinem Unternehmen, das einmal aus dem Dax genommen wurde, gelungen, dorthin zurückzukehren. Continental war bis 1996 im Dax vertreten. Egal, ob nun in den kommenden zwei Wochen Continental und/oder Puma sich als Dax-Kandidat qualifizieren, Gewinner könnte der Arbeitskreis Aktienindizes sein. Der musste in den vergangenen Monaten Prügel einstecken, weil er MLP im Dax beließ. Man habe keine geeigneten Nachrücker gehabt, hieß es stets. Eine Lösung dieses Problems scheint nun in Sicht.

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