Zementbranche will den Markt neu aufteilen
Kampf der Stinktiere

In der Zementbranche ist ein verbissener Kampf entbrannt. Der Branchenprimus Heidelberg Cement will den unliebsamen Konkurrenten Readymix schlucken. Laut internen Papieren soll das Ratinger Unternehmen mit 4000 Mitarbeitern in einer „Operation Skunk“ (Operation Stinktier) angeblich zerschlagen werden. Der Betriebsrat von Readymix spricht von einer „Zement-Mafia“, die einen lästigen Wettbewerber aus dem Weg räumen wolle; von einer betriebswirtschaftlich gebotenen Marktbereinigung und dem Abbau der Überkapazitäten reden die möglichen Käufer. – Was ist los ?

Ausgelöst durch ein Kartellverfahren mit saftigen Geldbußen – für das sich Readymix als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte – hat auf Betreiben von Heidelberg Cement in der Zementbranche das große Aufräumen begonnen. Heidelberg-Chef Hans Bauer, gleichzeitig Präsident des Bundesverbandes der Zementindustrie, lässt zur Zeit beim Bonner Kartellamt und bei der EU-Kommission in Brüssel die Chancen für eine Übernahme von Readymix sondieren. Dabei will der Mutterkonzern, die britische RMC, ihre deutsche Tochter seit geraumer Zeit verkaufen – bislang vergeblich. Der Preis war zu hoch. Nun drücken RMC Verluste. Auch Heidelberg hatte bisher abgewinkt. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Die Großen der Branche wollen jetzt die Chance ergreifen, den deutschen Zementmarkt zu bereinigen. 62 Zementwerke gehören hierzulande 38 Firmen. Bei einer Kapazität von 37 Millionen Tonnen konnten nur 27,2 Millionen abgesetzt werden. 2003 sollen es acht Prozent weniger sein. Eine Marktbereinigung ist daher dringend nötig, um nicht noch weitere Unternehmen und Arbeitsplätze zu gefährden.

Der Branchenprimus macht Druck. Gegen den Markttrend durchgesetzte Preiserhöhungen haben bereits dazu geführt, dass Analysten die Aktie der Heidelberg zum Kauf empfehlen: Endlich nehme einer die Sache in die Hand. Die Ankündigung der Übernahme hatte allerdings zunächst einen Kursrutsch zur Folge. Sie scheint tollkühn.

Die Übernahme hat, wie die Schwaben sagen, „ein Gschmäckle“. Was betriebswirtschaftlich einleuchtend klingt, birgt reichlich Zündstoff. Readymix gilt in der Branche als Störenfried. Vorwurf: Die Ratinger hätten nicht nur den seit Jahren andauernden Preiskrieg in der Branche angezettelt, sondern auch dem Bundeskartellamt nützliche Hinweise über Kartellabsprachen gegeben. Hartnäckig halten sich daher Gerüchte über die gezielte Attacke gegen den als „Stinktier“ titulierten Nestbeschmutzer.

Heidelberg bleibt hart wie Beton und will die Marktbereinigung jetzt offenbar gegen alle Widerstände durchboxen. Ein Machtblock aus vier bis fünf Herstellern schwebt den Branchengrößen vor – wie in Frankreich oder Großbritannien. In einem Oligopol lassen sich die Geschäfte ungestörter betreiben. Die Mineralölbranche macht es vor.

Das Ganze hat aber gleich mehrere Haken. Analysten zweifeln daran, dass Heidelberg Readymix übernehmen kann. Neben den kartellrechtlichen Problemen drücken den Marktführer hohe Schulden als Folge der Übernahmestrategie. Heidelberg hat bereits einige Zementwerke hinzugekauft, um an anderer Stelle wiederum Kapazitäten abzubauen. Dem Bundeskartellamt dürfte es daher wohl nicht schwer fallen, ein Veto oder zumindest hohe Auflagen durchzusetzen. Über die Einschaltung eines Finanzinvestors soll das umgangen werden. Mit dem Bankhaus Metzler scheint der Partner fürs Grobe bereits gefunden worden zu sein. Eine Aufteilung und der Ausverkauf von Readymix könnte die Folge sein. Die Branche könnte dann mit der Auslese überzähliger Zementwerke beginnen.

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