Zertifikat-Dschungel
Alter Wein in neuen Schläuchen

Viele Emittenten von Zertifikaten haben sich neue Namen zugelegt - und bieten ihre Produkte so unter einem neuen Etikett an. Ob dieses Versteckspiel erfolgversprechend ist, darf bezweifelt werden.
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Frankfurt "Ruhm ist vergänglich, aber Namenlosigkeit ist für immer", lautet eines von Murphy’s Gesetzen, der Bibel für passionierte Pessimisten. In der Zertifikatebranche haben offensichtlich eine Reihe von Marketingmanagern Arthur Blochs Bestseller gelesen. Sie überfluten den Markt nun mit einer neuen Welle von Markennamen, um nicht mit namenlosen Produkten zwischen den Hunderttausenden von Zertifikaten, die sich auf dem Markt befinden, unterzugehen. Der Mehrwert für die Anleger ist aber nur schwer zu erkennen.

Der Trend zum Zweitnamen war schon früher zu beobachten, allerdings in überschaubarem Ausmaß: Der Deutschen Bank etwa reicht schon lange nicht mehr der eigene Name, sie bietet ihre Zertifikate seit Jahren unter dem Markennamen X-markets an. Und die DZ Bank emittiert schon lange Zertifikate unter dem Namen Akzent Invest.

In den vergangenen Monaten ist jedoch ein ganzer Strauß an neuen Marken hinzugekommen. Etwa bei der DZ Bank: Neben Akzent-Invest-Zertifikaten und unzähligen Volksbank-Emissionen unter eigenen Namen gibt es nun auch Eniteo-Zertifikate, teuer beworben vom umtriebigen Fußballtrainer Felix Magath. Die Barclays Bank schickt die Marke Bmarkets ins Rennen, die Citigroup hat Citifirst-Zertifikate im Angebot, die Bank of America vertreibt in Deutschland ihre strukturierten Finanzprodukte nun unter dem Label Invest Deutschland. Goldman Sachs hat die Marke GS Quartix ins Leben gerufen, um strukturierte Fonds und Finanzprodukte unter einem Dach zusammenzufassen.

Informierte Anleger lassen sich von schönen Namen nicht blenden

Geradezu verwirrend ist die jüngste Namensoffensive der Unicredit, deren Zertifikate bislang immer noch unter dem Namen Hypo-Vereinsbank angeboten werden, obwohl es die Bank selber gar nicht mehr gibt. Jüngster Markenspross der Bank ist Onemarkets. Die Zertifikate, die unter diesem Label angeboten werden, richten sich, wie übrigens auch alle anderen neuen Markenprodukte aus den anderen Emittentenhäusern, an die Gruppe der sogenannten Selbstentscheider. Das sind Anleger, die bei ihren Anlageentscheidungen nicht ihrem Bankberater, sondern auf ihr eigenes Finanzwissen vertrauen.

Ob man ausgerechnet diese Zielgruppe mit neuen Markennamen überzeugt, ist aber zu bezweifeln. Denn wer als Anleger in der Lage ist, unter Hunderttausenden von Zertifikaten die passenden Produkte für sich herauszusuchen, wird vermutlich auch herausfinden können, welcher Markenname zu welchem Emittenten gehört. Wozu also das Versteckspiel? Zumal den Emittenten gar keine ewige Namenlosigkeit droht – der eigene Name ist oftmals doch gar nicht so schlecht.

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  • Gier frisst Hirn!
    Zertifikate sind Wetten, bei denen der Wettgegner sofort den gesamten Wetteinsatz erhält, er aber keine Sicherheit bietet und die Wettregeln ändern kann.

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