Zinshysterie sorgt für Kaufkurse bei US-Staatsanleihen
Die Angst im Nacken

Heute vor zwei Wochen hat US-Notenbankchef Alan Greenspan getan, was alle erwartet hatten: Er erhöhte den US-Leitzins von einem Prozent auf 1,25 Prozent. In den Wochen und Monaten davor war über diesen Viertel-Prozentpunkt diskutiert worden, als ob der Weltfrieden davon abhinge. Das machte die Käufer von US-Staatsanleihen furchtbar nervös. Denn höhere Zinsen bedeuten fallende Anleihekurse. Also verkauften die Investoren ihre Bonds bereits im Vorgriff auf die erwartete Zinswende.

HB NEW YORK. Doch nach der Zinsentscheidung demonstrierten die Finanzmärkte mal wieder ihre paradoxe Natur. Statt zu sinken, zogen die Anleihekurse kräftig an. Und vieles spricht dafür, dass die Staatspapiere immer noch attraktive Kaufgelegenheiten bieten – allen Zinssteigerungsängsten zum Trotz.

Warum? Ganz einfach: Die Märkte sind mal wieder übers Ziel hinaus geschossen. Es mag ja stimmen, dass der US-Leitzins nicht ewig auf dem 40-Jahres-Tief von einem Prozent verharren konnte und dass er in einem Jahr vielleicht zwei, zweieinhalb oder gar drei Prozent beträgt. Doch selbst im letzten Fall bliebe immer noch ein komfortables Polster zur aktuellen Rendite von 4,45 Prozent für US-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Dreißigjährige Staatsbonds (auch Treasuries genannt) bieten sogar 5,2 Prozent Verzinsung. Zieht man davon die US-Inflationsrate von zwei bis zweieinhalb Prozent ab, bleibt ein ordentlicher Realzins. Keine schlechte Aussicht für Investoren, die zwischenzeitliche Marktschwankungen einfach aussitzen können.

Doch solche langfristigen Erwägungen drohen unterzugehen in der Zinserhöhungs-Hysterie. In den vergangenen Wochen beeilten sich die Investoren, die künftigen Zinsschritte der Fed vorwegzunehmen. Die Terminmärkte preisten zeitweise fünfzehn Zinserhöhungen bei den nächsten sechzehn Fed-Sitzungen ein. Das wäre eine extreme Kehrtwende, nachdem Greenspan den Leitzins zuvor ein ganzes Jahr bei einem Prozent beließ.

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