Zinspapiere bestimmen die Richtung der Aktienmärkte
Prägende Anleihen

Die Aufwärtsbewegung an den weltweiten Aktienmärkten, die Mitte März eingesetzt hatte, ist ins Stocken geraten. Kommt der Schwung zurück?

Das hängt von vielen Faktoren ab: von der Entwicklung im Irak, den Unternehmensergebnissen und dem Wachstum der US-Wirtschaft. Zum großen Teil wird aber auch die Verfassung der Anleihemärkte den Aktien die Richtung weisen.

Seit dem 13. Juni hat der Dow- Jones-Index lediglich 0,8 Prozent zugelegt. Damit wurde eine glänzende Aufholjagd jäh abgebremst. Die Renditen von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren schnellten auf rund 4,2 Prozent gegenüber 3,1 Prozent Mitte Juni hoch, nachdem sie zuvor ein 50-Jahrestief erreicht hatten.

Die Aktienmärkte können von steigenden Bond-Renditen durchaus profitieren, wenn sie von einer wirtschaftlichen Expansion begleitet werden. Aber ohne ausreichendes Wachstum können höhere Renditen eine Erholung abwürgen und die Unternehmensergebnisse schmälern, da die Kosten für den Schuldendienst steigen. Solange der Anstieg in geordneten Bahnen verlaufe, könnten die Aktienmärkte die wachsenden Renditen gut verkraften, meint Clive Mc Donnell, Anlage-Stratege für Europa bei Standard & Poor’s in London. US-Notenbankchef Alan Greenspan habe deutlich gemacht, dass die amerikanische Zentralbank Fed die Leitzinsen für eine lange Zeit niedrig halten werde und dass aufgrund der geringen Kapazitätsauslastung der US-Industrie eine weitere Wirtschaftsexpansion möglich sei, ohne dass die Zinsen in die Höhe schnellten.

Andere Experten gehen allerdings von einem Ausverkauf an den Bondmärkten in historischem Ausmaß aus – mit entsprechenden Vorteilen für Aktien. Doch auch da ist Vorsicht angebracht. Dividendentitel seien in den vergangenen vier Monaten zu hoch und zu schnell gestiegen, warnt David Brown, Chefvolkswirt für Europa bei Bear, Stearns & Co. in London. Er hat dabei besonders den deutschen Markt im Auge, der sich gegenüber dem bisherigen Jahrestief um 50 Prozent erhöht hat. „Es gibt nur sehr wenige, eindeutige Signale für eine Erholung in Amerika, und in der Eurozone fehlen sie komplett“, urteilt Brown. Er geht allerdings davon aus, dass in der ersten Jahreshälfte 2004 die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und in Europa auf fünf beziehungsweise 5,25 Prozent klettert. Daher sei zu erwarten, dass sich viele Anleger aus Bonds zurückzögen und vermehrt in Aktien investierten.

Falls zu einem Ausverkauf an den Rentenmärkten auch noch sinkende Unternehmensgewinne hinzukomen oder wenn Aktien im Vergleich zu Bonds teuer wirken sollten, dann müsse man erfahrungsgemäß an den Aktienmärkten mit einer schlechten Entwicklung rechnen, sagt Robert Buckland, Chefstratege für Europa bei Citigroup Smith Barney in London. „Stabilisieren sich die Gewinne, und Aktien sind im Vergleich zu Anleihen billig, dann hat sich der Aktienmarkt während einer Rentenmarkt-Krise dagegen immer gut gehalten.“ Verglichen mit Bonds seien Aktien derzeit so billig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Selbst falls die Aktienkurse weiter anziehen sollten, könne ein umfassender Crash am Anleihemarkt ihnen nichts anhaben.

Noch ein Erfahrungswert: Kommt es an den Anleihemärkten zu einem Kollaps, dann haben Finanzwerte immer schlecht abgeschnitten. Zykliker im Industriesektor, wie Grundstoffe und Chemie, dagegen haben sich bisher immer gut geschlagen, ebenso wie Titel aus den Bereichen Bergbau, Software, Erdöl- und Erdgasversorgung.

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