Zitterprämie
Hochzinsanleihen bringen 20 Prozent Rendite

DÜSSELDORF. Am Markt für Risikoanleihen spielen gefallene Engel, geheimnisumwitterte Investoren und abgestürzte Höhenflieger die Hauptrolle. Eine eher undurchsichtige Abenteuer- Welt, vor der konservative Anleger häufig zurückschrecken.

Doch der Einsatz kann sich lohnen: Risikoanleihen haben mit Renditen von 20 % seit Jahresanfang eine bessere Entwicklung hingelegt als Firmenanleihen hoher Bonität oder Aktien. Das Risiko war dabei häufig gar nicht so groß: Bei den begebenden Unternehmen handelt es sich inzwischen häufig um angesehene, solide gemanagte Firmen. Zudem werfen High-Yield- Bonds, wie die Papiere auf Englisch heißen, eine Rendite ab, wie es sie bei weniger riskanten Rentenpapieren allenfalls vor zehn Jahren gab: im Schnitt liegt sie derzeit bei 8,8 %. Das sind rund 5 Prozentpunkte (500 Basispunkte) mehr als die sicheren Staatsanleihen hergeben. Gar nicht so recht zum Spielcasino-Image passt, dass konservative Fondsmanager High-Yield-Papiere sogar ihren Portfolios beimischen, um sich vor Kursverlusten ihrer solideren Bonds abzusichern.

Also auch eine gute Anlage für die weniger Übermütigen? „Es kommt darauf an“, sagen Experten. Ein wichtiges Detail ist etwa, wie die Risikoanleihen zu ihrem Bonitätsstatus von BB+ oder darunter gekommen sind. Fondsmanager Peter Becker von HSBC Trinkaus Capital Management differenziert zwischen den „gefallenen Engeln“, welche als ehemals erfolgreiche Börsenwerte in eine Schieflage geraten sind, und nach wie vor erfolgreichen Firmen, die von erfahrenen Privatinvestoren aufgekauft worden sind, englischer Fachausdruck Leveraged Buy Out (LBO). Diese LBO-Kandidaten wurden bewusst und freiwillig einer höheren Schuldenlast ausgesetzt, um den Eigenmitteleinsatz gering und die Rendite auf das von den Käufern zugeschossene Kapital hoch zu halten.

Gerade unter den LBO-Firmen sind Perlen zu finden. Becker nennt etwa den Bad-Armaturenhersteller Grohe als einen gut geführten mittelständischen Betrieb. Die Investmentfirma BC Partners, welche Grohe übernahm, hat einen angesehen Namen und will die einst ausgelistete Grohe bald wieder an die Börse bringen. Auch der Industriegase- Spezialist Messer Griesheim oder der belgische Schokoladenhersteller Barry Callebaut fallen in die Kategorie attraktiver und weitgehend solider LBO Papiere.

Bei den gefallenen Engeln ist größere Vorsicht geboten. Investoren haben dort in der Regel schon eine Stange Geld verloren, weil die Herabstufung von solider Bonität zum „Ramschniveau“ mit starken Kursverlusten einhergeht. Die konjunkturelle Lage ist noch zu unsicher, um solchen Werten wieder zu trauen. Zu den gefallenen Engeln gehören etwa Alcatel und Ericsson und Fiat. Das Risiko ist allerdings bei allen High-Yield-Bonds geringer geworden. Die Zahl der Ausfälle habe sich stark reduziert, berichtet die Ratingagentur Standard & Poors.

Die Kurse der Hochzinsanleihen laufen meist parallel zu den Aktienkursen. Sie hängen ebenfalls vom Vertrauen in die Wirtschaft und die jeweiligen Firmen ab. Das macht sie zu idealen Absicherungsinstrumenten für die übrigen Bonds, die sich im Normalfall entgegen der Aktienkurse entwickeln.

Wer in Hochzinsanleihen einsteigen will, sollte allerdings noch warten, meint Fondsmanager Becker. Gewinnmitnahmen könnten die Kurse in den nächsten sechs bis acht Wochen drücken. Privatanlegern empfiehlt er High-Yield-Fonds, um das Risiko auf mehrere Bonds zu verteilen. Laut dem Ratinghaus Morningstar haben der Dexia Bonds High Yield und der Fidelity European High Yield gut abgeschnitten und bieten akzeptable Gebühren.

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