Zunehmend erste Wahl
Toyotas neue Stärke

Die Aktie des japanischen Autoherstellers Toyota gilt eigentlich als stabiles Witwen- und Waisenpapier. Doch seit Ende Mai hat sie eher die Kursentwicklung eines Startups hingelegt.

HB DÜSSELDORF. Um knapp 35 % hat sich ihr Wert in den vergangenen drei Monaten verbessert – auf derzeit etwas mehr als 25 Euro. Das war allerdings keine Sonderentwicklung – der gesamte japanische Aktienmarkt ist wieder in Mode gekommen. Der Nikkei-225-Index hat sich ähnlich positiv entwickelt.

Strohfeuer hat es ja schon oft in Japan gegeben, doch diesmal ist wirklich alles anders, sagen Experten. Das sei weniger der Regierung um Ministerpräsident Junichiro Koizumi zu verdanken, als vielmehr den Reformen von unten. „Die Konzerne haben Einsicht gewonnen, ihre Kosten gesenkt und mit überholten Traditionen gebrochen“, sagt Japan-Fondsmanagerin Lilian Haag von DWS. Bei einer Umsatz-Steigerung von rund einem halben Prozent seien im vergangenen Jahr die ordentlichen Gewinne der Japaner um 40 % gestiegen. In diesem Jahr hätten sich die Gewinne bei ähnlicher Umsatzentwicklung nochmals um 10 % erhöht. Japanische Unternehmen sind nach einem langen Umdenkungsprozess offenbar bereit, nicht profitabel arbeitende Betriebe zu schließen und auch Personal zu entlassen. Zudem profitiert auch Japan jetzt von der globalen konjunkturellen Erholung. „Die Rally hat diesmal mehr Substanz“, sagt Haag.

Toyota als drittgrößter Autohersteller der Welt nach General Motors und Ford ist in dem günstiger gewordenen Umfeld ein Thema für sich. Kontinuierliches Wachstum über Jahrzehnte, Kassenbestände von 31 Mrd. $ und die effizienteste Produktion der Welt. Die Betriebsabläufe nach dem System des Kaizen sind schon seit vielen Jahren der Standard, an dem sich die restliche Autoindustrie der Welt messen muss. Toyota-Chef Hiroshi Okudas erklärtes Ziel bleibt es, bis zum Jahr 2010 eine Weltmarktanteil von 15 % zu erobern, damit würde Toyota weltweit zur Nummer eins.

„Toyota ist der stärkste Autokonzern der Welt“, sagt Bondanalyst Eric Sharper von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London, „der Konzern ist führend in Produktionsumfang, geographischer Präsenz und Profitabilität.“

Die Zahlen sprechen für sich: Auch im abgelaufenen Quartal hat die Autosparte von Toyota mit 8,8 % eine Spitzen-Gewinnmarge vorgelegt. Ford und General Motors mussten sich mit weniger als 2 % zufrieden geben. Der deutsche Vorzeigekonzern BMW brachte es auf 7,9 %. Der Toyota- Umsatz ist im abgelaufenen Quartal um 5,6 % gestiegen, der Gewinn ist lediglich auf Grund des starken Yen um 9,7 % gesunken, weit schwächer als befürchtet.

Die hohen Cash-Bestände erlauben es, viel Geld in die Entwicklung neuer Modelle zu stecken. Für den US-Markt allein hat der Konzern acht neue Modelle entwickelt. Dort kommt Toyota auf Grund seiner Marktstärke mit Rabatten von 1 132 $ je Wagen aus, General Motors muss 4 253 $ zuschießen. Eine der wenigen Schwächen Toyotas: Die Aktie gerät derzeit unter Druck, weil viele Banken im Rahmen von Entflechtungen ihre Toyota-Papiere abstoßen.

Doch das gehe vorüber, meint Aktienanalyst Koji Endo von Credit Suisse. „Toyota ist derzeit günstig“, sagt Endo, der mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung rechnet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mit 12,9 zwar etwas über der japanischen Konkurrenz, doch gemessen am Buchwert des Unternehmens Toyota kostet die Aktie weniger als etwa Nissan oder Honda. Damit ist Toyota ein guter Kandidat für ein international gestreutes Depot.

Das gilt selbst dann, wenn der Anleger noch nicht ganz an Japan glaubt: Die Kreditbonität des Konzerns wird von der Ratingagentur Standard & Poors mit einem stabilen AAA höher bewertet als die des gesamten Staates Japan (AA-).

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