Zweistellige jährliche Renditen können die heutigen Anleger nicht mehr einplanen
Die hohen Aktienerträge sind Geschichte

Die US-Researchgesellschaft Ibbotson Associates hat eine historisch zweistellige Rendite für amerikanische Aktien errechnet. Doch solche Zahlen sollten Anleger für ihre Altersvorsorge lieber nicht einkalkulieren.

HB FRANKFURT/M. Zwar brachten US-Aktien von 1926 bis heute im Schnitt jährlich exakt 10,4 Prozent ein. Wer aber mit dieser Verzinsung des Aktien-Depotanteils kalkuliert, wird beim Eintritt ins Rentenalter ein böses Erwachen erleben.

Genau davor warnt jetzt Ed Easterling, Leiter der Analysefirma Crestmont Research im texanischen Dallas. Er macht moderate Annahmen für das erwartete Gewinnwachstum sowie die Dividendenrendite. Seinen Berechnungen zufolge kann der Anleger bei Investments heute langfristig mit einer Aktienrendite von sechs Prozent rechnen. Und selbst die ist gefährdet, wenn man das Kurs-Gewinn-Verhältnis einbezieht. Aktien sind heute doppelt so teuer wie zu Beginn der Ibbotson-Rechnung. Sollte die Bewertung in Zukunft fallen, würde statt der Sechs höchstwahrscheinlich eine Fünf vor dem Komma stehen.

Für den Mann aus Dallas ist die Konsequenz klar. Entweder die Anleger zügeln ihre Phantasie und sind realistisch oder sie geben sich einer blinden Hoffnung hin. Für die Baby-Boomer liegen die historischen Renditen jedenfalls außer Reichweite.

Easterling räumt auf mit der Illusion, langfristige Durchschnittswerte könnten bedenkenlos in die eigenen Planungen einbezogen werden, wenn nur der Horizont ebenfalls langfristig sei – bei der Altersvorsorge typischerweise zwei Jahrzehnte oder mehr.

Die Warnung ist gleich doppelt wichtig. Immer mehr Haushalten brennt das Thema Altersvorsorge unter den Nägeln. Eigeninitiative tut Not. Wenn auf den Staat kein Verlass mehr ist, sollten wenigstens die Annahmen für alternative Berechnungen bei den privaten Planungen realistisch sein.

Darüber hinaus gerät das Kursdesaster nach dem Platzen der Börsenblase 2000 allmählich in Vergessenheit. Parallel dazu werden Erinnerungen an die vorherigen goldenen Zeiten wiederbelebt. Das besorgen die jüngeren Wertentwicklungsstatistiken, die die markante Erholung nach dem Kurskollaps reflektieren. Aktuelle Charts und breite Aktienindizes weisen schon wieder Erträge von 20 Prozent per annum oder mehr für die vergangenen Jahre aus – und lassen die Ibbotson-Daten sogar noch konservativ aussehen.

Es geht doch nichts über den nüchternen Umgang mit Zahlen. Die Rechnung von Crestmont Research stützt übrigens Kommentare so mancher Super-Investoren. Warren Buffett gehört zur Gruppe der frühen Mahner. Seiner Meinung nach werden Anleger in Zukunft nur moderate einstellige Aktienerträge erzielen können.

Erinnerungen an die Ära Ende der 90er-Jahre, als die Kurse raketengleich nach oben schossen, taugen allenfalls noch für das Poesiealbum.

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