Chartanalyse
Dax steht an der Wegscheide von 7 200 Punkten

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat ein bewegtes Handelsjahr hinter sich. Dabei ist erst die Mitte des zweiten Quartals erreicht. Wenn nicht alles täuscht, steht die nächste größere Bewegung unmittelbar bevor. Ein dauerhaftes Überwinden der Hürde würde Kaufsignale aussenden - und Sommermonate mit Gewinnen ermöglichen.

DÜSSELDORF. Aber zunächst ein kurzer Blick zurück zur Einordnung in den Gesamtkontext: Ausgehend von einem Start Anfang Januar bei über 8 000 Indexpunkten fiel der deutsche Leitindex im Februar zunächst bis auf 7 190 Zähler.

Das Unterschreiten dieser Marke war gleichbedeutend mit der Ausbildung eines charttechnischen Doppeltopps. Das hieraus ableitbare Rückschlagpotenzial bis 6 229 Punkte wurde Mitte März erreicht, wobei der Tiefpunkt knapp darunter bei 6 167 Punkten ausgebildet wurde. Dieses Tief korrespondierte mit der Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns durch JP Morgan Chase unter Mithilfe der US-Notenbank. Mit dieser Transaktion hat sich das Sentiment der Marktteilnehmer markant verändert. Der Schritt wurde vielerorts als Kreditlinie für das gesamte Finanzsystem aufgefasst. Folgerichtig nahm die Risikobereitschaft am Aktienmarkt wieder spürbar zu.

Unter technischen Aspekten stehen wir nun vor der Frage, ob es sich bei der Erholungsbewegung seit Mitte März lediglich um eine Gegenbewegung oder bereits um einen neuen Aufwärtsimpuls handelt. Eine Richtungsentscheidung dürfte auf dem aktuell erreichten Niveau anstehen. Schließlich trifft der Dax auf zwei zentrale Widerstände. Zum einen verläuft bei 7 160 Punkten das 50-Prozent-Fibonacci-Retracement der Abwärtsbewegung zwischen Juli 2007 und März 2008. Ein signifikanter Break würde aus Sicht dieser Analysemethode unmittelbares Potenzial bis 7 395 Punkte eröffnen.

Darüber hinaus würden die Chancen signifikant steigen, dass der Dax in der mittelfristigen Betrachtung bereits Kurs in Richtung 8 000 Punkte aufgenommen hat. Einen zweiten, zentralen Widerstand bildet das 7 190er-Niveau, welches sich aus den zyklischen August-Tiefstständen ableiten lässt.

Bis dato könnte man die Erholungsbewegung noch als lediglich idealtypischen Rücklauf an das Ausbruchsniveau der Doppel-Topp-Formation interpretieren. Schlusskurse über 7 200 Punkte lassen an diesem Szenario aber Zweifel aufkommen und bringen die Bären in Erklärungsnöte, hätten sie doch die Chance auf einen Impulswechsel an einem plausiblen technischen Punkt verpasst.

Und genau danach sieht es aus, wenn man im Rahmen der technischen Analyse die Stimmungsindikatoren berücksichtigt. Insbesondere bei Befragungen institutioneller Marktteilnehmer zeichnet sich weiterhin ein verhaltenes Stimmungsbild ab. Die dadurch zu vermutende Unterinvestition könnte in Kombination mit zunehmendem Performancedruck verstärkte Käufe auslösen.

Zusammenfassend sehen wir den Bereich um 7 200 Punkte als alles entscheidende Wegscheide für die kommenden Wochen an. Ein substanzielles Überwinden würde ein neues Kaufsignal generieren, dem sich viele Marktteilnehmer nur schwer entziehen könnten. Daher könnten die Sommermonate, entgegen dem üblichen saisonalen Muster, in diesem Jahr durchaus für Kursgewinne stehen.

Der Autor ist Händler im Bereich Capital Markets der WGZ Bank

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