Chartanalyse
Keine Entwarnung für die Wall Street

Die Börsenweisheit "Sell in may and go away" hat sich in diesem Jahr vor allem an den US-amerikanischen Aktienmärkten bewahrheitet. Der Dow Jones Industrial bleibt angeschlagen - Rekordstände beim Ölpreis begrenzen außerdem das Kurspotenzial.

DÜSSELDORF. Im Mai dieses Jahres verlor der Dow Jones Industrial rund drei Prozent an Wert. Aber nicht nur der Wonnemonat ist schuld an der momentan schwachen Performance, mitverantwortlich dafür ist auch die angeschlagene charttechnische Verfassung.

Ausgehend von dem historischen Höchststand bei 14 093 Zählern vom 18. Oktober 2007 befindet sich das weltweit meist beachtete Börsenbarometer in einem bislang intakten Abwärtstrendkanal. Versuche, diesen nach oben zu verlassen, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt. Der letzte Angriff auf die Oberseite scheiterte im Mai.

Die Bullen mussten sich daraufhin zurückziehen und gaben dabei die Schiebezone (Seitwärtsbewegung) bei 12 550/12 589 Punkten preis. Das Schlimmste war damit jedoch noch nicht überstanden. Erst kürzlich geriet die Wall Street erneut unter Druck und verlor allein am 5. Juni rund 400 Indexpunkte. Die aus etlichen Auflagepunkten bestehende Preisspanne bei 12 090/12 216 Punkten wurde infolge des jüngsten Kursgewitters am 11. dieses Monats erreicht.

Charttechnisch betrachtet ist die derzeitige Situation durchaus spannend. Behält die Angebotsseite die Oberhand, dürfte es in tiefere Kursregionen gehen. Reiseziel der Bären ist in diesem Fall die untere Trendkanallinie bei aktuell 11 480 Zählern. Für dieses Szenario spricht auch die 200-Tage-Durchschnittslinie, die seit Mitte Januar gen Süden zeigt. Eine fallende Glättungslinie wird als mittelfristiges Baisse-Signal interpretiert. Sollte es jedoch zu einer Gegenbewegung kommen, was eine erfolgreiche Verteidigung der Schiebezone bei 12 090/12 216 Zählern voraussetzt, könnte die unterschrittene Haltelinie bei 12 550/12 589 Punkten angesteuert werden. Mehr Potenzial trauen wir der Wall Street angesichts der immer neuen Rekordstände beim Ölpreis sowie der noch nicht gänzlich überstandenen Kreditkrise derzeit nicht zu. Auch der erwähnte Abwärtstrendkanal dürfte vorerst höheren Notierungen im Weg stehen.

Christian Henke ist technischer Analyst bei der WestLB AG und Mitglied im Berufsverband Technische Analyse

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