Chartanalyse: Schanghai-A-Share-Index
Chinas Börsen drohen weitere Rückschläge

Die starken Kursschwankungen in China sorgen an den internationalen Finanzmärkten für große Aufmerksamkeit. Der wichtigste Aktienindex in China war vor einigen Tagen kräftig unter Druck geraten, nachdem die Regierung eine Stempelsteuer auf Aktiengeschäfte plötzlich verdreifacht hatte. Anfang dieser Woche rutschten die Kurse abermals deutlich ab.

ZÜRICH. Bereits im Januar und Ende Februar hatte der Schanghai-A-Share-Index mit Verlusten von zehn bis 14 Prozent Schockwellen um den ganzen Globus gesendet. Dagegen haben die Märkte den jüngsten Kurseinbruch am inländischen Aktienmarkt Chinas schnell verdaut. Ob die Investoren damit eine zu große Gelassenheit zeigen, wird sich vermutlich schon sehr kurzfristig zeigen, da aus charttechnischer Sicht davon auszugehen ist, dass der chinesische Aktienmarkt in den kommenden Wochen vor weiteren Turbulenzen und damit vor einer Abkühlung stehen wird. Die Kursgewinne in den letzten Monaten sind atemberaubend. Der Schanghai-A-Share Index, der lediglich für Inländer zugänglich ist, hat seit Jahresanfang rund 40 Prozent an Wert zugelegt.

Noch stärker sind die Kursgewinne an der Börse von Shenzhen, die im Vergleich zur Börse in Schanghai vor allem kleine und mittelgroße Werte abdeckt. Der Shenzhen-A-Share-Index hat seit Jahresanfang 96 Prozent zugelegt.

Aus technischer Sicht zuviel des Guten, was unter anderem an simplen statistischen Kennzahlen wie dem Abstand zur 200-Tage-Linie abgelesen werden kann. Grundsätzlich gilt: Entfernt sich eine Aktie oder ein Markt zu weit von seiner 200-Tage-Linie, geht man davon aus, dass dieser mittel- bis langfristig "überkauft" ist und damit vor einer Korrektur steht. Es muss hierbei nicht zu einer grundsätzlichen Trendwende kommen. Es geht dabei sehr oft lediglich um eine Abkühlung innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends.

In den vergangenen Tagen hatte sich der Markt in Schanghai zwischenzeitlich rund 58 Prozent von seinem 200-Tage-Durchschnitt entfernt und der Index in Shenzhen sogar 188 Prozent, was ein absoluter Rekordwert ist. Wichtig ist nun, den Zeitpunkt einer Korrektur möglichst treffsicher abzuschätzen. Das ist schwierig, weil eine derartige Übertreibungsphase lange andauern kann.

Nützlich hierbei ist der MACD (Moving Average Convergence Divergence), der als Trendfolgeindikator im Extrembereich durchaus gute Ausstiegssignale gibt. In den vergangenen Tagen haben wir sowohl für den Markt in Schanghai wie auch für Shenzhen ein MACD-Verkaufssignal erhalten. Wir gehen somit davon aus, dass es zu weiteren Kursrückschlägen kommen wird.

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch einer der Gründe für die jüngsten Kursrückgänge: Die chinesischen Behörden haben die Steuer auf Aktiengeschäfte verdreifacht. Dies war allerdings nicht das erste Mal. Am 12. Juni 1992 und am 12. Mai 1997 waren ebenfalls Steuern auf Aktiengeschäfte eingeführt bzw. erhöht worden. In beiden Fällen hat dies in ähnlich überkauften Marktphasen zu Korrekturen von 30 bis 70 Prozent geführt.

Fazit: Wir haben für den Schanghai-A-Share-Index ein technisches Verkaufssignal erhalten und erwarten auf Grund des historisch extrem hohen Kursniveaus eine relativ starke Korrektur. Aus unserer Sicht könnte der Schanghai-A-Share-Index bis auf den Bereich von 3 600 bis 3 200 Punkte zurückfallen. Welche Auswirkungen das auf die westlichen Aktienmärkte haben wird, bleibt abzuwarten. Aber wir gehen davon aus, dass zumindest ein kurzfristiger Rückschlag für Dax & Co. nicht auszuschließen ist.

Der Autor leitet die Technische Analyse der UBS Investment Bank in Zürich.

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