Chartanalyse S&P-500
Den Bären gehen die Argumente aus

Aus charttechnischer Sicht haben sich in den letzten Wochen die Anzeichen für eine Trendumkehr gemehrt. Doch die komlexere technische Analyse zeigt, dass verschiedene Indikatoren in eine andere Richtung weisen. Vieles spricht für eine beginnende Kaufpanik an den Märkten.

ZÜRICH. Die letzten Wochen waren ein sehr gutes Beispiel dafür, wie subjektiv die Aktienanalyse doch sein kann; das gilt für die Fundamentalanalyse ebenso für die technische Analyse von Kursentwicklungen. Die Auswirkungen dieses Umstandes auf die Märkte waren allerdings selten so dramatisch wie aktuell.

Nachdem der S&P-500 von seinem Märztief bis Mitte Mai rund 37 Prozent an Wert gewonnen hat, ist der Markt fast acht Wochen seitwärts gelaufen. Aus charttechnischer Sicht hat sich für viele Anleger eine fast perfekte Kopf-Schulter Formation ausgebildet. Diese Formation ist eine der mächtigsten Trendumkehrformationen, die Charttechniker kennen. Die sogenannte Nackenlinie und damit das ultimative Verkaufssignal lag bei rund 878 Punkten. Warum ist dann nichts passiert?

Es ist richtig, dass in der technischen Analyse die eigentlichen Signale letztendlich aus dem Chart gelesen werden. Dummerweise ist die technische Analyse aber eine weit komplexer angelegte Analyseform - kurzum: Es geht um mehr als nur den Chart. Bei der Interpretation von Formationen spielt das Volumen und das Sentiment eine entscheidende Rolle. Passen diese nicht zur Formation, steigt die Wahrscheinlichkeit von Fehlsignalen. Die Konsequenz ist immer sehr ähnlich: Es kommt meist zu starken Marktverwerfungen, da sich die Mehrheit der Marktteilnehmer auf der "falschen Seite" des Marktes befindet.

Das ist exakt die Situation, die wir seit gut zwei Wochen am US Aktienmarkt erleben. Der S&P-500 hat faktisch eine Kopf-Schulter Formation ausgebildet. Das Problem ist, dass das Volumen, das Momentum und vor allem das Sentiment exakt das Gegenteil von dem waren, das wir üblicherweise an einem markanten Top sehen.

Mit dem Sprung über das bisherige Jahreshoch von 950 Punkten hat die Kapitulation der Bären begonnen. Das starke Momentum der aktuellen Aufwärtsbewegung lässt auf eine beginnende Kaufpanik schließen. Wir gehen davon aus, dass diese aus zyklischer Sicht noch bis mindestens Mitte August anhalten kann.

Der Autor ist technischer Analyst bei der UBS.

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