Chartgespräch
Aktienmärkten droht schwerer Rückschlag

Angesichts einbrechender Kurse halten viele Anleger das Ende der Hausse für unausweichlich. Auch Achim Matzke, technischer Analyst der Commerzbank, glaubt, dass den Aktienmärkten in Europa und den USA jetzt ein schwerer Rückschlag droht. Noch sieht Matzke den begonnenen Aufschwung allerdings nicht gefährdet.
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DÜSSELDORF. Hinterher sind alle schlauer. Eigentlich konnten die Aktienkurse doch nur fallen. Mehr als 60 Prozent hatten sie seit dem Frühjahr vorgelegt. Und das, obwohl die Finanz- und Wirtschaftskrise keineswegs ausgestanden ist und die Unternehmen von einem echten Aufschwung Lichtjahre entfernt sind. Jetzt, wo die Kurse einbrechen, erscheint vielen Anlegern das Ende der im Frühjahr begonnenen Hausse beschlossene Sache. War es das also?

"Gemach", urteilt Achim Matzke von der Commerzbank. Der technische Analyst sieht die Aktienmärkte immer noch in einem Aufwärtstrend. Auch wenn die Korrektur diesmal von einem größeren Kaliber ist und mehr als fünf Prozent kosten dürfte. Zu mächtig waren die Warnsignale, sagt der mit jahrzehntelanger Erfahrung ausgestattete Charttechniker.

Warnsignal eins: Wochenlang gelang es dem Dax und auch allen anderen wichtigen Börsenindizes nicht, die "Lehman-Zone" hinter sich zu lassen. Diesem Bereich schreiben Matzke und viele andere Charttechniker in Europa und den USA eine ganz wichtige Ankerfunktion zu. Ein Jahr nach der Lehman-Insolvenz hatten sich die Börsen wieder in den Kursbereich vorgearbeitet, auf den sie unmittelbar nach der Hiobsbotschaft in einem ersten Rutsch gefallen waren, ehe es in einem finalen Ausverkauf noch einmal 2 000 Punkte tiefer ging. Viele Anleger erinnern sich nun an diese Einstandskurse während der turbulenten Lehman-Tage - so die Argumentation - und zeigen sich deshalb kaum willens, auf diesem Niveau weiter zuzukaufen. Deshalb gilt die "Lehman-Zone" als schwer zu nehmender Widerstand.

Warnsignal zwei: der Favoritenwechsel. Banken, Versicherungen und konjunkturempfindliche Aktien haben seit dem Aufschwung im Frühjahr besonders zugelegt. Doch in den letzten Wochen kippte die Stimmung, und Aktien dieser Branchen zählten zu den größten Verlierern. Gewinner sind Energie- und Telekom-Werte. Also jene Titel, die Anleger zuvor links liegen ließen. Damit kündigte sich das Ende der liquiditätsgetriebenen Hausse an, in der typischerweise all jene Aktien gut laufen, die zuvor am kräftigsten gefallen sind.

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  • ich hoffe nur, dass sich die Zocker so den Hintern verbrennen, dass sie hinkünftig die Finger vom Gamblen lassen

  • Am börsengrundgesetz ändert sich nichts. Erst wenn die "Milchmädchen" kaufen, ist der Zeitpunkt zum Ausstieg gekommen.

  • Fundamentstärkung.

    Diese Korrektur muss sein das ist gesund für die Märkte. Erst wird sich beschwert dass man die Rally verpasst hatte, jetzt aber kommt das große Gejammere.Die Aktionäre haben das bedürfnis nicht mehr Verluste einzusacken. Aber man muss Psychologie anwenden dann kommt man drauf was eigentlich momentan Passiert. Nämlich voll Normal das Ganze.

    Mfg

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