Chartgespräch
„Dem Dax winken rasch Kurse über 6 000 Punkten“

Wer sich von dem ewigen Widerspruch zwischen steigenden Börsen und schlechtem Umfeld nicht verwirren lassen will, sollte sich auf die Kurse konzentrieren. Denn die, so Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus, lügen nicht. Schon seit Monaten signalisieren die Charts steigende Kurse.
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DÜSSELDORF. Kurse lügen nicht. Steigen sie, ergibt es wenig Sinn, lange über die Gründe zu grübeln. Wer dennoch hadert, zögert oder gar auf fallende Kurse wettet, weil schwache Konjunkturaussichten solch ein Vorgehen vielleicht rechtfertigen, wird schnell arm. So geschehen in den letzten Wochen, als viele Investoren vergeblich auf einen neuen Abschwung spekuliert haben.

Wer den ewigen Widerspruch zwischen steigenden Börsen und schlechten fundamentalem Umfeld auflösen möchte, schaltet den Blick auf miserable Firmenerträge, die Finanzkrise in Dubai und den drohenden Rückfall in die Rezession angesichts auslaufender Konjunkturprogramme einfach aus und starrt stattdessen auf die Kurse. Denn sie lügen nicht. Die Charts signalisieren steigende Kurse - und das schon seit vielen Monaten.

Als der Dax - und mit ihm beinahe alle Börsenindizes in den etablierten Industrieländern - zum wiederholten Male an seinem Jahreshoch kratzten, schockierten die Meldungen über Dubais Finanzkrise die Märkte. Rasch und keineswegs überraschend fiel der Dax um 200 Punkte. Doch nüchtern und aus dem Blickwinkel der Charts betrachtet sprang damit die grüne Börsenampel noch nicht einmal auf gelb um.

"Schon vor Dubai gab es kleine Warnsignale", sagt Rainer Sartoris, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus. Wichtiges Indiz: Der im März etablierte steile Aufwärtstrend brach im Oktober, weil die Kurse nur noch zögerlich stiegen. Als der Dax dann auch noch bei seinem neuen Anlauf nach oben das vorangegangene Kurshoch von 5 888 Punkten nicht mehr erreichte und im November bei 5 843 Zählern hängen blieb, wurde offensichtlich, dass der weitere Weg nach oben erst einmal versperrt war.

Doch ein gebrochener steiler Aufwärtstrend bedeutet noch keineswegs die Etablierung eines Abwärtstrends. Denn auf dem Weg nach unten wurde ebenso rasch offensichtlich, dass alle wichtigen Unterstützungen hielten. Die wichtigste liegt knapp oberhalb des Bereichs von 5 300 Punkten, dem Tief aus vergangenen Korrekturen. Solange der Dax hier seinen Halt findet, droht nach Sichtweise des HSBC-Experten nicht wirklich Ungemach.

Überhitzter Zustand löst sich auf

"Der Markt legt lediglich eine Verschnaufpause ein und baute damit Überhitzungserscheinungen ab", interpretiert Sartoris die vorübergehende Müdigkeit der Börsen sogar positiv. Denn nach dem steilen Anstieg seit dem Frühjahr galt der Markt als "überkauft". Monatelang waren die Kurse fast nur gestiegen. Nur wenige Anleger hatten während dieser Zeit Gewinne realisiert. Dieser Stau hat sich nun in wochenlanger Seitwärtspendelei aufgelöst.

Mit neuer Kraft startete der Dax Ende vergangener Woche mehrmals neue Angriffe. Er überwand dabei zumindest das vorangegangene Hoch bei 5 843 Punkten. "Gelingt nun auch noch der Befreiungsschlag über das Jahreshoch von 5 888 Punkten, dann geht es ganz rasch in Richtung 6 000 Punkte", ist sich Sartoris sicher.

Dem bisherigen Jahreshoch kommt auch deshalb eine so hohe Bedeutung zu, weil genau hier der Dax um 50 Prozent gestiegen ist - nimmt man den Start der Hausse bei 3 588 Punkten im März zum Maßstab. Oftmals endet nach solch einer 50-Prozent-Aufwärtsbewegung eine erste Rally - so auch diesmal -, ehe es nach einiger Zeit des Zögerns schließlich doch weiter nach oben geht. Schafft der Dax den Ausbruch, dann lauern anschließend "nur" noch alte Widerstände aus fast vergessenen Zeiten. Aus Zeiten, bevor die US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 pleiteging.

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