Chartgespräch
„Den Börsen drohen turbulente Zeiten“

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Uwe Zimmer - dem Auf und Ab der Börse entsprechend. Sein Herz für Charttechnik lädt zum Optimismus ein, sein Herz fürs Fundamentale dagegen zum Pessimismus. Warum der Gründer und Chef der Kölner Vermögensverwaltung Meridio zu Letzterem neigt.
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DÜSSELDORF. Zentral ist für ihn das typische Kaufargument, wonach es keine lukrative Anlagealternative zur Aktie gibt. "Macht solch eine Negativauslese die Aktie attraktiv? Wohl kaum", ist er überzeugt. Viele Argumente sprächen gegen die Papiere. Die Verschuldungskrise droht, die Börse abzuwürgen, weil die öffentliche Hand sparen muss. Das geht auf Kosten des Konsums, der Investitionen und damit der Firmengewinne. Inflations- und Deflationsszenarien verunsichern obendrein.

Allerdings, das Chartbild hellt die Stimmung auf. Bei allem Unmut über die Richtungslosigkeit lässt sich ein Trend ausmachen: Jedes Tief notiert über dem vorhergehenden und signalisiert damit wachsende Kaufbereitschaft.

In der Spitze prallen die Kurse dagegen stets zwischen 6 250 und 6 350 Punkten nach unten ab. Das ergibt ein aufsteigendes Dreieck. Die meisten Charttechniker werten das als trendbestätigend, in diesem Fall positiv, weil der übergeordnete Trend seit Anfang 2009 nach oben weist.

Anleger sollten zwei Marken im Auge behalten: Erstens das Jahreshoch bei 6 387 Punkten. Schafft der Dax den Ausbruch, dann winken rasch "einige hundert Punkte", meint Zimmer. Einfach deshalb, weil viele Anleger aufspringen und auf ein Ende der Richtungslosigkeit spekulieren. Unterhalb von 5 700 Punkten droht der Dax hingegen wegzubrechen, weil Anleger auf den Start einer Baisse spekulieren.

Zimmer favorisiert das Abwärtsszenario. Mit 30 Prozent ist seine Aktienquote gering. Ganz im Gegensatz zu seinen Kollegen. US-Investmentfonds halten derzeit 96,5 Prozent in Aktien. "Das lässt nur wenig Potenzial für neue Käufe und damit weiter steigende Kurse."

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  • Die börsenkurse steigen so lange, wie die bankster fast zinslose Steuergelder von den Zentralbanken zum Zocken erhalten. Wenn die Zentralbanken auch nur ansatzweise damit beginnen, die Milliarden einzusammeln, oder die „Heroinmengen“ zu reduzieren, dann fällt das Kartenhaus börse wie Staub in der Wüste in sich zusammen.
    Mit den durch Steuergeldern gepuschten und manipulierten börsenkursen können die bankster ihre bilanzen verschönern und nicht vorhandenes Eigenkapital suggerieren und damit den globalen Kollaps vielleicht noch a bissl hinausschieben.
    Kein einziges Problem, das zum Zusammenbruch des Weltfinanzsystems führte wurde gelöst, lediglich mit immer neuen Milliarden und billionen, alles natürlich auf Pump, hinausgeschoben.
    Weltweit sitzen die bankster immer noch auf über 600 billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel, alles aus den bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren.

    Die Zentralbanken kaufen eigene Staatsanleihen auf, um den Kreditbedarf der Länder zu decken. Genau dies wurde bei der Euroeinführung verboten. Ohne den bruch dieser Regel wäre der Euro schon kollabiert. Aber die Fed und die boE haben in den letzten zwei Jahren damit erfolgreich den Zusammenbruch der Währungen hinausschieben können.

    Wir sehen erst einen ganz kleinen Teil der Krise. Doch jeden Tag kommen neue Wahrheiten ans Tageslicht. Die Spirale dreht sich immer schneller, immer schneller .... jetzt im Herbst kollabiert erst mal der US-Gewerbeimmobilienmarkt, viermal so groß wie der Wohnimmobilienmarkt.
    Es ist deshalb völlig unerheblich, ob der Euro, der Dollar, oder die chinesischen immobilienblasen kollabieren. Der Dominoeffekt sorgt für den Rest.

    Die börse hat mit ihrer ursprünglichen Funktion schon lange nichts mehr gemein. Las Vegas im Großformat würde besser passen, nicht mehr und nicht weniger.
    „Charttechnisch gesehen“ - nichts als Unfug!!
    Noch ist dafür Zeit, Aktien und Fondsanteile zu verkaufen und günstig und sicher in Edelmetalle umzuschichten.

  • Für eine neue baisse, erst anderthalb Jahre nach dem Tiefpunkt am 9. März 2009, müsste schon etwas unvorhersehbares, sehr Negatives, wie ein Krieg mit dem iran oder verhehrende Terroranschläge geben. Für eine Aufwärtsbewegung spricht ausser dem Chart die anlaufende berichtssaison, die unter dem Strich positiv ausfallen dürfte. im Übrigen gibt es starke charttechnische Gemeinsamkeiten mit 2004.

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