Chartgespräch
„Den Bullen einfach laufen lassen“

Der Dax könnte bis Jahresende bis auf 7000 Punkte steigen, erklärt Achim Matzke von der Commerzbank im Chartgespräch. Dabei stimmen nicht nur die technischen Indikatoren den Analysten optimistisch. Denn auch die fundamentalen Unternehmensdaten stützen den Aufwärtstrend der Aktien.
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DÜSSELDORF. Börse kann so einfach sein: In einer Hausse sollten Anleger Aktien nicht verkaufen, wenn die Kurse ein oder zwei Tage fallen. "Den Bullen einfach laufen lassen", empfiehlt Achim Matzke von der Commerzbank mit Blick auf die Chancen für die Aktien der größten deutschen Unternehmen, zusammengefasst im Dax.

Das Pulver war keineswegs schon verschossen

Die Bullen stehen an der Börse für steigende Kurse, also für die Optimisten. Sie haben nach Ansicht des Experten seit Frühjahr 2009 die Führung übernommen. Ihr Schwung wurde gebremst - "aber nicht beendet!" -, als der Dax ab April 2010 für lange Zeit keine neuen Hochs mehr erreichte und nur noch seitwärts pendelte. Viele Anleger argwöhnten damals, dass die Börse ihr Pulver bereits verschossen hätte und stellten sich dementsprechend auf eine saisonübliche Talfahrt im Herbst ein.

Doch es kam anders, wie so oft an der Börse. Ausgerechnet der gefürchtete Oktober war der Startschuss für eine 1000-Punkte-Rally. Der Dax durchbrach fulminant seine Schiebezone und setzte seine Hausse fort. Die empfindlichen Kursverluste Anfang vergangener Woche, als der Dax nach Sorgen über einen Staatsbankrott Irlands an nur einem Handelstag 130 Punkte verlor, bezeichnet Matzke nicht als "Korrektur", sondern lediglich als "trendbestätigende Konsolidierung". Der Unterschied: Eine Korrektur dauert Tage, oft Wochen, manchmal sogar Monate. Eine trendbestätigende Konsolidierung aber nur Stunden, Tage und nur selten mehrere Wochen. Zudem trägt eine Konsolidierung keinerlei Anzeichen für eine Trendwende. Aus einer Korrektur hingegen entsteht oft eine Umkehr.

Den Grund für seinen Optimismus sucht Matzke wie immer nicht allein im Chartbild, das seit Frühjahr 2009 eine "Hausse" zeigt. Auch fundamental stehen für den Analysten die Signale auf grün - trotz Verschuldungskrise und Währungsstreit. "Wenn die Unternehmen starke Ergebnisse liefern und die Wirtschaft brummt, dann sollten auch Aktien gut laufen. Nichts anderes sehen wir jetzt", sagt Matzke.

Viele Börsenindizes notieren wieder auf Allzeithochs

Deutschlands Unternehmen haben im vergangenen Quartal zum großen Teil die Erwartungen mehr als erfüllt und darüber hinaus sogar oftmals Rekordgewinne geliefert. Richtig sei zwar, dass andere Indizes wie der Euro Stoxx 50 weniger gut laufen als der Dax. Hier tummeln sich allerdings auch viele angeschlagene Banken und südeuropäische Firmen, deren Erträge sich mäßig bis miserabel entwickeln. "Viele andere Börsenplätze untermauern den guten Trend beim Dax", sagt Matzke. Als Beispiele nennt er die Indizes in Korea, Indien, Brasilien, Malaysia, Indonesien und Mexiko, die allesamt ihre bisherigen Allzeithochs ins Visier nehmen oder sie sogar bereits überwunden haben.

Davon bleibt der Dax vorläufig noch weit entfernt, aktuell 20 Prozent. Bis Jahresende taxiert der Analyst Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer auf 7000 Punkte. Im Bereich zwischen 7000 und 7200 Punkte wittert er einen großen Widerstand: die Hochpunkte aus dem Jahr 2008. Üblicherweise stoppt eine Rally an solchen Marken erst einmal, weil Anleger sie ideal für "Gewinnmitnahmen" interpretieren. Nach 1000 Punkten Zugewinn seit Anfang September mag selbst Optimist Matzke nicht daran glauben, dass diese Hürde gleich im ersten Anlauf fällt.

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