Chartgespräch
"Der Rally droht ein längerer Stopp"

Pessimisten sind nach dem rasanten Anstieg der Aktienmärkte rar gesät. Fast jeder sieht die Börsen mindestens bis Jahresende steigen, nachdem ihnen mit dem fulminanten Ausbruch aus der Seitwärtspendelei der Befreiungsschlag gelungen ist. Klaus Deppermann von der BHF-Bank jedoch, bewertet die Rally als Fehlausbruch, der Anleger in die Irre leitet.
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DÜSSELDORF. Vor zwei Jahren hatte Klaus Deppermann die im Frühjahr gestartete Hausse im Handelsblatt treffen vorausgesagt. Nun gehört der technische Analyst der BHF-Bank zu den wenigen Bären am Markt. Durch die jüngsten Kursrückschläge fühlt er sich in seiner Ansicht bestätigt. Dabei blickt er zuvorderst auf den weltweit wichtigsten Börsenindex, den S&P. Hier notierten die 500 größten amerikanischen Firmen. Anders als der Dax, dem der Ausbruch aus seiner sechsmonatigen Seitwärtsbewegung bereits Anfang Oktober gelungen war, schaffte der S&P den Befreiungsschlag und damit den Sprung auf ein Jahreshoch erst vier Wochen später.

Aber, und darin liegt aus Sicht Deppermanns ein großer Haken, der S&P stieg nur sieben Pünktchen über sein altes Jahreshoch vom April. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Zweiter Schönheitsfehler: Der S&P rutschte sogleich wieder unter das alte April-Hoch.

Technische Analysten sprechen in so einem Fall von einem Fehlausbruch, sofern die Börse nicht sofort das verloren gegebene Terrain zurückerobert. Mündet damit die vor eineinhalb Jahren gestartete Hausse in eine Baisse? So weit will der Skeptiker nicht gehen: „Nach einer starken Aufwärtsbewegung schließt sich nicht sofort eine Talfahrt an.“ Allerdings sieht er klare Indizien für einen längeren Stopp der Rally, weil der verheißungsvolle Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung nicht gelungen ist.

Noch skeptischer stimmt Deppermann der Blick auf Europa. Der wichtigste Börsenindex Euro Stoxx 50 hat die rasante Aufwärtsbewegung der anderen großen Indizes wie S&P und Dax nicht mitgemacht. Grund dafür sind die vielen schlecht laufenden Aktien aus südeuropäischen Ländern, wo die Wirtschaftskrise die gute Stimmung der Weltwirtschaft überlagert.

In den vergangenen vier Wochen verteidigte der Euro Stoxx 50 zehn Mal die Marke von 2828 Punkten – ohne Terrain zu gewinnen. „Fällt diese wichtige Hürde, droht rasch weiteres Abwärtspotenzial“, sagt der Analyst. Er sieht in dem Fall den Index auf 2580 Punkte fallen – dem Tief aus der Börsenschwäche im Sommer. Das wäre ein Minus von zehn Prozent.

Grund für die Skepsis ist die Beobachtung, dass eine einmal gerissene Unterstützung umso größeres Abwärtspotenzial eröffnet, je öfter sie vorher gehalten hat. Viele Anleger orientieren sich an solchen Marken und springen ab, wenn sie fallen. Dennoch, eine große Talfahrt erwartet Deppermann nicht. Ein Grund: In der Historie folgte so gut wie nie auf eine rasante Aufwärtsbewegung sogleich eine ebenso rasante Talfahrt. Diese leitet sich üblicherweise ein, indem die Kurse monatelang auf der Stelle treten.

Noch schwerer wiegt für den Experten indes die tatkräftige Hilfe der US-Notenbank Fed. Sie kauft für 600 Mrd. Dollar Staatsanleihen zurück und überschwemmt damit die Märkte mit Dollar. Diese erreichen nicht die Realwirtschaft, sondern die Kapitalmärkte, auch die Börsen. Solch einer fulminanten Fed-Spritze sollte sich niemand entgegenstellen. „Don't fight the Fed!“, lehrt die Börsengeschichte.

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  • in barron's lese ich: "Anything could happen once QE2, as it's called, ends in June. but stocks are expected to rise as long as the Fed is buying $600 billion of Treasuries to further depress interest rates, effectively chasing investors out of bonds. "Skew," which reveals the bullish or bearish bias in the options market, has collapsed since the Fed's Nov. 3 announcement. Put volatility (which indicates fear of declines) fell dramatically, flattening skew—and that is a bullish indicator.

    Put another way, QE2 is like a massive put option supporting equity prices."

    M.a.W. QE2 wirkt, indem es die Zinsen unten hält und es weil es "wie eine gigantische Put-Option die Aktienpreise stützt". Das einzige, was da unter "normalen Umständen" noch zwischen kommen kann, ist dass irgendwann alle daran glauben. Aber bis dahin sind die Kurse vermutlich ein Stückchen höher.

  • Vielleicht ist es einfach am besten an der börse grundsätzlich das Gegenteil von dem zu machen was gerade Haupttenor ist!

    Lieber alleine gewinnen als gemeinsam verlieren!!! :-)

    Die besten Einstiegskurse und damit Gewinne gibt es wahrscheinlich wenn Panik an den Märkten herrscht, ich denke die kaufmännische Regel daß der Gewinn beim Einkauf gemacht wird herrscht auch an der börse! ;-)

    Wenn die Euphorie Überhand nimmt ist es denk ich ein guter Moment seine Gewinne mitzunehmen und die biege zu machen!!! :-)

  • Ob QE 2 wirklich die Kapitalmärte erreicht? Vielleicht indirekt, weil die Wall-Street-Kumpels von Tim und ben in ihre Portokasse greifen, mit Fast Nullzins ordentlich hebeln und sodann in Assets verteilen, wie etwa Rohstoffe und Aktien. Das von der Fed zum Erwerb staatlicher Anleihen gedruckte Geld geht hauptsächlich an Obama, damit dieser seine "sozialen" Errungenschaften sowie die wachsende Menge an Lebensmittelgutscheinen für die Arbeitslosen und bedürftigen bezahlen kann. Warum sollten also höhere bewertungen an den Aktienmärkten etwa gerechtfertigt sein außer durch betrügerisches Päppeln - ohne jegliches wirtschaftliches Wachstum? Auch diese blase wird ihr voherbestimmtes Ende nehmen - sie wird platzen und das Gejammer wird groß sein bei den sheep.

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