Chartgespräch
„Im Dax überwiegen die Chancen“

Beim Dax überwiegen die Chancen gegenüber den Risiken – dem gefürchteten heißen Herbst zum Trotz. Das meint zumindest Achim Matzke von der Commerzbank. Dabei schienen die Börsen bis vor gut einer Woche einen neuen Anlauf nach unten zu nehmen.
  • 0

DÜSSELDORF. "Im Zweifel für den Angeklagten." Der kleine Satz umreißt die Verfassung der Aktienmärkte. Zumindest aus Sicht der technischen Analyse und eines ihrer versiertesten Vertreter in Europa, dem Commerzbanker Achim Matzke. Gemeint ist: Solange die Börsen auf und ab pendeln, überwiegen die Chancen gegenüber den Risiken.

Ob Gold, Silber, Platin, Anleihen oder Aktien - die Kurse steigen. Ursache ist die laxe Geldpolitik der drei großen Notenbanken in Japan, Europa und den USA. Nie zuvor versorgten sie die Investoren so lange mit so billigem Geld. Deshalb fließt das Geld gleichzeitig in viele Anlageklassen. Ob Dax, Dow oder S&P 500, die wichtigen Börsenindizes auf der Welt notieren nahe ihren Jahreshochs - unbeeindruckt von den Sorgen um die Verfassung der Immobilienmärkte, die Verschuldung der Industrienationen und eine mögliche Abschwächung der Konjunktur. Dabei schienen die Börsen bis vor gut einer Woche einen neuen Anlauf nach unten zu nehmen. Der Dax fiel auf 5 900 Punkte. Viele Anleger argwöhnten, dass er aus der monatelangen Seitwärtsbewegung ausbricht. Doch die Börse erholte sich genauso schnell wie sie vorher eingeknickt war. Wieder einmal.

Marktbreite stark verbessert

Nach oben sieht Matzke den Dax zwischen 6 300 und 6 400 Punkten gedeckelt - den Hochs im April, Juni und August. Nach unten begrenzen die bisherigen Tiefs innerhalb der Seitwärtsbewegung den Index, also der Bereich zwischen 5 700 und 5 800 Punkten. "Die Marktbreite hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verbessert. Sie spricht eher für einen Ausbruch nach oben als nach unten", schlägt sich der Analyst vorsichtig in das Lager der Optimisten. Die Mehrzahl der Aktien konnte zuletzt kräftig zulegen. Das war in vergangenen Erholungsphasen anders, weil oftmals nur wenige Schwergewichte die Indizes nach oben zogen.

Technische Analysten werten die Kurszuwächse vieler Aktien als Zeichen der Stärke. Besonders die Aktien dividendenstarker Unternehmen aus der Telekom - und Versorgerbranche legen derzeit kräftig zu, das gilt auch für die lange gebeutelten Autowerte. Lediglich die zwei deutschen Stromgiganten RWE und Eon schwächeln. Grund dafür sind die künftigen Steuerbelastungen.

Positiv stimmt Matzke darüber hinaus die zweite Börsenliga, der MDax. Hier tummeln sich viele Maschinenbauer, also Firmen, die vom Aufschwung der Weltwirtschaft besonders profitieren. Mit dem Sprung auf über 8 740 Punkte hat der MDax zu Wochenbeginn sein Jahreshoch überwunden. Oftmals kündigen solche Indizes mit konjunktursensiblen Firmen größere Trendwenden an.

Ein Überwinden bisheriger Hochs dürfte bei vielen Investoren neuerliche Käufe auslösen, weil sie damit das Ende der quälenden Seitwärtsbewegung verbinden. Fallen die Kurse dagegen doch wieder zurück, sollten Anleger die Jahrestiefs im Auge behalten. Bei 5 700 Punkten sieht Matzke eine kritische Marke erreicht. Hier verläuft der vor einem Jahr etablierte Aufwärtskanal. Fällt diese Marke wider Erwarten, dann dürften viele Investoren einen heißen Börsenherbst fürchten. Die Folge: Die Kurse würden weiter fallen.

Kommentare zu " Chartgespräch: „Im Dax überwiegen die Chancen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%