Chartgespräch
„Jetzt herrscht Optimismus pur“

Die Zeichen stehen auf Jahresendrally: Im Handelsblatt-Chartgespräch erklärt Marktexperte Patrick Hussy von Sentix, warum die Aktien auch nach den jüngsten Höchstständen weiter steigen werden. Denn Anleger haben positive Erwartungen für die Zukunft und sind noch nicht voll an der Börse investiert.
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DÜSSELDORF. Börse kann so einfach sein. Monatelang pendelt der Dax auf und ab zwischen 5 800 und 6 300 Punkten. Je länger die Hängepartie dauert, desto mehr Anleger ziehen den Schluss: Schafft der Dax den Ausbruch, dann gibt es eine Jahresendrally, und die Kurse werden steigen und steigen. Und genau das passiert jetzt. Und es wird sich noch eine Weile fortsetzen, urteilt der Frankfurter Stimmungsexperte Patrick Hussy.

Pünktlich im Oktober, also passend zum Beginn der obligatorischen Jahresendrally-Zeit, brach der Dax aus seiner quälenden Seitwärtsbewegung nach oben aus. Mit einem Mal jagt ein Zweijahreshoch das nächste. Selbst eine schwache Wall Street - wie am vergangenen Dienstag - stören den Deutschen Aktienindex nicht. Doch wieso ist Börse so einfach? Schließlich gibt es den gefürchteten und komplizierten Kontraindikator. Vereinfacht ausgedrückt besagt er: Wenn alle das gleiche denken, passiert oft das Gegenteil. Wenn also die Mehrheit die Börse optimistisch beurteilt, dann werden die Kurse nicht steigen, sondern fallen. Der Grund: Alle Optimisten sind bereits investiert.

Kontraindikator gilt nicht

Dieser Kontraindikator gelte derzeit aber nicht, sagt Sentix-Experte Hussy. "Jetzt herrscht Optimismus pur, und die Aktien werden weiter steigen." Sentix befragt als größter unabhängiger Anbieter von Stimmungsindizes und verhaltensorientierten Daten in Europa wöchentlich mehr als 3 000 private und institutionelle Anleger über die Stimmung und ihr eigenes Anlageverhalten. In den letzten Wochen hatten sich die Anleger so optimistisch geäußert wie noch nie während der vergangenen zehn Jahre (siehe Chart). Aber, und das ist entscheidend: Gleichzeitig waren Anleger nur sehr mäßig in Aktien investiert - Privatanleger mit 43 Prozent ihres freien Kapitals. Das entspricht in etwa dem langjährigen Durchschnitt.

Daraus folgt: Anleger haben zwar eine sehr positive Perspektive, doch sind sie noch keineswegs voll in Aktien investiert. Sie warteten erst einmal ab, ob der Dax tatsächlich zum Sprung nach oben ansetzt. Und tatsächlich: Seitdem der Dax aus seiner Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen ist, springen die vielen Optimisten auf den Zug auf. Geld, um Aktien zu kaufen, haben sie. Das belegt die nur durchschnittliche Investitionsquote.

Mit Blick in die Zukunft rechnet Hussy mit weiter stark steigenden Kursen. Noch in diesem Jahr sieht er den Dax bei 7 000 Punkten. "Das ist unser Minimalziel." Damit ist er sich mit vielen technischen Analysten einig. Hussy begründet seinen Optimismus mit der langen und quälenden Seitwärtsbewegung an den Börsen, in der sich in all den Monaten viel Kapital aufgestaut habe. Hinzu komme ein Anlagenotstand, weil die vermeintlich sicheren Staatsanleihen kaum noch Rendite abwerfen.

"Je mehr europäischen Indizes in den nächsten Tagen ebenfalls den Ausbruch nach oben gelingt, desto mehr Schub bekommt der Dax nach oben", ist sich der Stimmungsexperte sicher. Ende vergangener Woche schaffte der französische Cac 40 den Ausbruch. Nun könnten der Euro Stoxx 50 und der britische FTSE 100 nachziehen. Anleger deuten jeden weiteren Ausbruch eines europäischen Börsenindexes als Bestätigung für die Fortsetzung der Jahresendrally. Sie scheint in diesem Jahr tatsächlich ihrem Ruf gerecht zu werden.

Kommentare zu " Chartgespräch: „Jetzt herrscht Optimismus pur“"

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  • Patrick Hussy?? Stimmungsexperte? Großartig, dass sich nun auch Stimmungsexperten zur weiteren Entwicklung an den börsen äußern. Eigentlich sollte der Verlauf der indices konform zur Entwicklung der Volkswirtschaften und den Unternehmensergebnissen laufen. interessanterweise laufen alle Anlageklassen in diselbe Richtung - gen Norden. Eindutiger kann ein indiz nicht sein. Es ist zuviel Geld im Umlauf und unsere Notenbänker lassen die Pressen im 24/7 Mode auf 100%iger Auslastung laufen. Die institutionellen wissen nicht mehr wohin mit der Liquidität. Also wird alles gekauft; ob Gold, Öl, Silber, Palladium, Zucker, Aktien, Anleihen, Zertifikate uvm. Es ist keine Kapitalumschichtung mehr erkennbar sondern nur noch wilde Kaufwut, angetrieben von Experten und sogenennten analysten. Das Geheule und Gejammer wird in Kürze wieder groß sein. Dann kommen dieselben Experten und raten dem naiven Kleinanleger bei Tiefstständen zum Ausstieg, da sich das Jahr 1929 an den börsen durchaus wiederholen könnte. Es ist ein abartiges Spiel und man darf kein Gewissen haben, wenn man sich auf dieses schmutzige Terrain begibt.
    Sorry, aber im Casino hat man wenigstens noch Spaß beim Geld vezocken...

    Viel Glück den Letzten die jetzt noch auf den Zug aufspringen.

    bb

  • Optimismus pur? Das klingt nach baldiger Korrektur!

  • Pünktlich im Oktober, also passend zum beginn der obligatorischen Jahresendrally-Zeit ...

    Oder besser formuliert, pünktlich nach der letzten EZb-Sitzung, als beschlossen wurde, die lockere Geldpolitik nochmals zu verlängern, stieg am nächsten Tag der Dax um 2%.

    Die ehrlichen bürger sollen dazu animiert werden, auf das immer schneller sinkende Schiff aufzuspringen und ihr Erspartes auch in „Las Vegas“ sicher anzulegen. Mehr als nur verantwortungslos.
    Schon seit 3 Jahren werden die börsen weltweit durch die unendlichen und zinslosen Milliarden der Zentralbanken hochgepuscht, fern jeglicher Realität. Schwellenländer wollen diesem verantwortungslosem Treiben bereits ein Ende setzen.

    Mit kurzfristigen Scheingewinnen sollen „Dumme“ angefüttert und zum „Zocken“ animiert werden. Die selbe Argumentation wie Anfang 2008, als kurz darauf die börse absackte. Die Scheinwelt war doch viel zu schön und die Realität verdrängt und verleugnet, adäquat zur derzeitigen Situation.

    So bald die Zentralbanken damit beginnen, die unendlichen Milliarden wieder einzusammeln, die Daumenschrauben werden schon angesetzt und den Süchtigen kein neues Heroin mehr zur Verfügung gestellt, dann kracht das Kartenhaus „börse“ wie Staub in der Wüste in sich zusammen.
    Dazu habe ich schon genügend Literatur zusammengestellt unter http://siggi40.magix.net/website/#15 und die weiteren vier Seiten.

    Die bankster weltweit sitzen immer noch auf ca. 600 billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel, aus den bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. Die Krise wurde in den letzten 3 Jahren mit 30 billionen Dollar hinausgeschoben, sie hat also noch nicht einmal begonnen, da reden andere schon vom Ende der Krise.
    http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf (Trends im internationalen bankgeschäft und an den internationalen Finanzmärkten).

    Die Altersversorgung vieler Hunderttausender ehrlicher bürger wurde schon mehrmals an der börse vernichtet. Nicht nur bei Lehmann.
    Wenn die Finanzmärkte keinerlei Gesetzen und Regeln unterworfen sind, dann ist jegliche Anlage ein Spiel mit dem Feuer.
    Milliarden Steuer- und Kundengelder wurden und werden verzockt und noch kein einziger im Gefängnis. Und wenn schon die banken untereinander sich keinen Cent anvertrauen, dann soll es der Sparer machen?
    Die börse ist weiter denn je von der ursprünglichen idee entfernt und zum Zockerparadies verkommen.

    Noch ist dafür Zeit, sein Vermögen günstig und sicher in Edelmetalle umzuschichten.

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