Chartgespräch mit Gregor Bauer
Ein Crash, der keiner ist

Innerhalb von zwei Wochen fielen die Kurse des Bund-Future um mehr als vier Prozent. Warum der crashartige Kursverfall an den Anleihemärkten trotzdem noch lange kein Crash ist - und wie er zu erklären ist.
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DÜSSELDORF. Die technische Analyse eignet sich gemeinhin wenig für einen reißerischen Stil. Wer einen Trendfolgekanal, ein aufsteigendes Dreieck oder gar eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation entdeckt, genießt in der Zunft bereits höchste Aufmerksamkeit. Daran gemessen ist das aktuelle Chartbild des Bund-Futures geradezu dramatisch. Denn in nur zwei Wochen fielen die Kurse dieses weltweit beachteten Kursbarometers für Staatsanleihen von knapp 135 auf 129 Punkte. Solch ein Rückfall um gut vier Prozent mag an den Börsen als dynamische Bewegung durchgehen, nicht aber an den kurssensibleren Anleihemärkten. Hier gleicht die Entwicklung einem Crash. Reißerischer geht es kaum.

Der Bund-Future ist ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung der Zinsen. Sinken die Kurse, wie in den vergangenen Tagen, rechnen Anleger mit steigenden Renditen für deutsche Staatsanleihen. Dementsprechend legte die Umlaufrendite seit Anfang September von 1,8 auf 2,15 Prozent zu.

Fundamentaler Grund für den kräftigen Anstieg sind zweifellos verbesserte Konjunkturerwartungen. Für Europa revidieren die Forschungsinstitute beinahe im Tagesrhythmus die Wachstumsprognosen nach oben. In den USA rechnen selbst Skeptiker kaum noch mit dem gefürchteten "double dip", also dem erneuten Abtauchen in eine Rezession.

Doch das allein reicht nicht aus, um derartige Kursbewegungen in solch einer Geschwindigkeit zu erklären. Vielmehr verselbstständigt sich derzeit der tiefe Fall, nachdem die Abwärtsbewegung erst einmal in Gang gekommen ist. Weil im Bund-Future Erwartungen gehandelt werden und der Markt zudem im weltweiten Vergleich sehr liquide ist, tummeln sich hier vor allem professionelle Investoren aus allen Ländern mit automatischen Kauf- und Verkaufsprogrammen. Diese orientieren sich oftmals an technischen Indikatoren. Sobald Unterstützungen reißen, starten die Programme und verstärken den Fall nach unten - so wie jetzt. Doch so crashartig der Bund-Future zuletzt gefallen sein mag, "so wenig ist bislang passiert", dämpft Gregor Bauer, Chef der von ihm gegründeten Bauer-Consult, jeglichen hektischen Aktionismus.

Starke Rücksetzer gab es in den vergangenen Jahren schon oft

Der Vorsitzende der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) verweist zur Erklärung auf das langfristige Chartbild: Bereits 1992 startete die bis heute immer noch gültige Aufwärtsbewegung. Kräftige Rücksetzer, wie in den letzten zwei Wochen, gab es auch früher schon zuhauf: beispielsweise 1994, 2003, 2006 und 2007. Nie änderte das aber etwas am langfristigen Gesamttrend nach oben. Bauer sieht den aktuellen Rückfall solange nur als eine kräftige Korrektur, wie die Zone zwischen 124 und 126,5 Punkten hält. Hier habe sich in den vergangenen Jahren eine massive Unterstützung aufgebaut. Erst konnte der Bund-Future diese Zone jahrelang nicht überwinden, dann aber übersprang er sie fulminant. üblicherweise mutieren solche anfänglich zähen Widerstände zu umso größeren Unterstützungen, je länger und öfter die Kurse zuvor an dieser Hürde gescheitert waren.

"Erst wenn der Bund-Future unter dieses Niveau fällt, können wir tatsächlich von einem Crash sprechen", urteilt Bauer. In dem Fall sieht er den Bund-Future bis auf 110 Punkte fallen. Hält dagegen die Unterstützung, dann werde sich der Aufwärtstrend auch in seinem nunmehr 19. Jahr fortsetzen.

Kommentare zu " Chartgespräch mit Gregor Bauer: Ein Crash, der keiner ist"

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  • Dieser Artikel ist überflüssig, denn den hier erwähnten Crash hat es gar nicht gegeben! Für Herrn bauer ein wenig Nachhilfe zum Thema bund-Future: bei dem Langfristchart des bund-Futures wird nicht ein einzelnes Wertpapier, wie eine Aktie, dargestellt, sondern es werden immer die Kursverläufe des zum nächsten Termin fälligen Kontrakts aneinandergereiht. Läuft ein Kontrakt aus, wird einfach den nächsten gewechselt. Und dies ist auch gerade jetzt geschehen. Der Septemberkontrakt wurde fällig, und der Chart wurde nun mit einem anderen Wertpapier, dem Dezemberkontrakt, fortgesetzt.
    betrachtet man den Dezemberkontrakt jedoch allein, so ist dieser während der vergangenen 2 Wochen gerade einmal von etwas über 131 Punkten auf etwas unter 130 Punkte gefallen.
    Der Crash hat also gar nicht stattgefunden. So etwas müsste ein Experte doch eigentlich wissen.

  • Der bund-Future ist kein indikator für die zukünftige Entwicklung der Zinsen, sondern drückt unmittelbar eine Veränderung des Renditeniveaus der bundesanleihen im Laufzeitbereich zwischen 8,5 und 10 Jahren (genauer gesagt die Renditeveränderung der CTD-Anleihe) aus.

    Die von ihnen genannten 4 % tun niemandem weh. Wer nicht so dumm war, auf dem hohen Niveau noch einzusteigen, sitzt auch jetzt noch auf einem berg schwebender Gewinne und freut sich über ihre Kommentare. Ans Eingemachte geht´s erst deutlich unter 125 ...

  • Die begriffswahl der Medien ist HÄUFiG völlig daneben! Wie kann man eine 4% Korrektur als "Crash" bezeichnen? Wenn Sie die bedeutung der begriffe nicht kennen oder nicht qualifiziert damit umgehen können (Pisa der Medien?), dann lassen Sie es doch einfach bei 4%. Ansonsten besteht doch die Gefahr, daß ihre gesamte berichterstattung als nutzloses Gequassel abgetan wird.

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