Chartgespräch
Segensreicher Yen-Absturz

Die Auswertung von Sandra Striffler von der DZ-Bank zeigt: Der Yen tut aus Sicht der Japaner endlich das, was er soll - er verliert in den vergangenen Monaten massiv an Wert. Dass er sich so verhält, ist mysteriös.
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DüsseldorfTrends nach oben wie nach unten sind oftmals sehr langlebig. Das gilt ganz besonders an den Devisenmärkten, also im Handel mit verschiedenen Währungen. Je ausgeprägter die Trends sind, desto mehr Geld lässt sich damit verdienen. Vielleicht sind deshalb an den Devisenmärkten so viele Profis unterwegs. Sie orientieren sich üblicherweise an charttechnischen Marken. Erst recht, wenn fundamentale Argumente jahrelang nicht verfangen und eine Währung genau das Gegenteil von dem macht, was sie eigentlich tun müsste.

Paradebeispiel dafür ist der japanische Yen. Japanische Unternehmen und Politiker klagen seit vielen Jahren über ihre viel zu starke Währung. Sie verteuert die Waren im Ausland und macht sie damit weniger wettbewerbsfähig. Dabei tun die Japaner alles, um ihren Yen zu schwächen: Das Land ist so hochverschuldet wie kein anderes Industrieland, die Wirtschaft schwächelt seit Jahrzehnten schon zwischen Rezession, Stagnation und Deflation. Die Regierung steuert (bislang erfolglos) dagegen, indem sie die Zinsen auf null gesenkt hat.

All das sind eigentlich beste Voraussetzungen für eine schwache Währung. Aber gegenüber dem Dollar und dem Euro erklomm der Yen ein Hoch nach dem anderen. Der charttechnische Trend ist seit Jahren intakt. Nicht einmal das verheerende Erdbeben und die atomare Katastrophe vermochten den Yen zu schwächen – und damit den Trend umzukehren.

Als dürftige Erklärung für dieses allen Lehrbüchern widersprechende Phänomen diente stets: Japan ist in erster Linie bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Insofern droht keine Schuldenkrise wie in Europa. Zudem lohnt sich eine Anlage in die niedrig verzinsten Yen-Staatsanleihen immer noch, weil die Nettorendite angesichts stetig sinkender Verbrauchspreise positiv ist.

Die Erklärung befriedigte niemanden – aber es gab keine bessere. Doch seit Ende Februar macht der Yen genau das, was er in einer schwachen, überschuldeten und perspektivlosen Wirtschaft machen muss: Er wertet gegenüber den anderen Währungen massiv ab. Nach einer ausgeprägten und charttechnisch idealtypischen Bodenbildung zwischen 76 und 78 Yen je Dollar (siehe Chart) verlor der Yen drastisch – nicht etwa weil es plötzlich ganz besonders viele neue schlechte Nachrichten gab, die solch eine plötzliche Trendumkehr rechtfertigten. Der Yen verlor vielmehr in dem Moment kräftig an Wert, sobald der scheinbar uneinnehmbare Widerstand von 78 Yen genommen und durchbrochen war. Dies war für Investoren das Signal, weitere Yen-Anlagen zu verkaufen und in Dollar zu tauschen.


„Jetzt ist diese extrem dynamische Abwärtsbewegung ins Stocken geraten“, sagt Devisen- und Chartexpertin Sandra Striffler von der DZ-Bank. Angesichts der abrupten Gegenbewegung am vergangenen Donnerstag rechnet sie mit einer vorübergehenden Verunsicherung bei den Investoren – und dementsprechend mit einer Konsolidierung. Das heißt, der Yen dürfte gegenüber dem Dollar hin und her schwanken. „Einen Rückfall auf die alten Marken von 76 Yen je Dollar sehe ich nicht“, sagt die Expertin. Diese Annahme gelte solange, wie die Marke von 81,50 Yen je Dollar verteidigt werde. Hier konsolidierte der Yen innerhalb seiner jüngsten Abwärtsbewegung. Am Morgen notierte die Währung mit 82,84 Yen je Dollar.

Bei einer fortgesetzten Yen-Schwäche sieht die Expertin zunächst Potenzial bis 84,55 Yen je Dollar. Hier macht sie einen großen Widerstand aus. „Nur ein nachhaltiger Fall unter die Marke von 84,55“, sagt Striffler, „macht den Weg nach unten für den Yen endgültig frei“. Er würde die Hoffnungen der japanischen Unternehmen nach einer schwächeren Währung und damit besseren Exportbedingungen noch mehr beflügeln.

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