Chartgespräch
„Viele Anleger sind unterinvestiert“

Über Wochen kletterte der Dax unaufhaltsam. Auch wenn aktuell ein paar Anleger Gewinne mitnehmen, versuchen viele Investoren noch, auf den längst angefahrenen Börsenzug aufzuspringen. Warum, erklärt Chartanalyst Ansgar Krekeler von der WGZ-Bank im Chartgespräch. Der Aufwärtstrend könnte den Index auf bis zu 7 200 Punkte steigen lassen.
  • 4

DÜSSELDORF. Der Dax steigt und steigt. Er folgt seinem Aufwärtstrend. Bei Rückschlägen drängt sich der Einstieg auf. Auf diesen einfachen Nenner bringt Ansgar Krekeler von der WGZ-Bank die Perspektiven für Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer. Zunächst empfiehlt der erfahrene Chartanalyst, einem Trend solange zu folgen, bis er bricht. Der Aufwärtstrend ist gut sichtbar, seitdem der Dax im Oktober aus seiner mehrmonatigen Seitwärtsbewegung ausgebrochen ist.

Besonders die vergangenen Tage stimmen zuversichtlich. Wiederholt setzte die Börse scharf zurück, weil Anleger sich über Staatspleiten, höhere Zinssätze in China und den Koreakonflikt sorgten. Doch immer folgten den Kursrückgängen rasante Erholungen. "Solch rasche Reaktionen nach oben signalisieren, dass viele Anleger unterinvestiert sind", sagt Krekeler.

Vor allem Fondsgesellschaften versuchten kurz vor Jahresende ihre Bilanz aufzubessern, indem sie den Aktienanteil erhöhen. So signalisieren sie ihren Kunden, dass sie mit dabei gewesen sind. Aus Sicht der Fonds eignet sich für solche Zukäufe der Dax am ehesten, weil er ohnehin schon am besten läuft. Die Kunden vermitteln sie damit, im stärksten Index investiert zu sein. Denn während der Dax in den vergangenen zwölf Monaten 23 Prozent gewann, verlor der Euro Stoxx 50, in dem die größten Konzerne aus der gesamten Euro-Zone notieren, vier Prozent.

Viele Investoren versuchen nach Ansicht des Analysten, auf den längst angefahrenen Börsenzug noch aufzuspringen. Für diese These spreche, dass sich ohnehin bereits gut gelaufene Aktien - wie etwa die Papiere der Autobauer - weiterhin überdurchschnittlich entwickelten. "Hingegen lassen Anleger Versorger wie Blei im Regal liegen." Jeder möchte sich schließlich mit Gewinnern schmücken - und treibt deren Kurse so weiter nach oben. Eon und RWE zählen seit Jahresanfang zu den schlechtesten Dax-Werten. Die klassische Sektor-Rotation, in der eine Branche nach der anderen in der Gunst oben steht, hat noch nicht begonnen.

Umschichtungen aus Anleihen

Darüber hinaus profitieren Aktien nach Ansicht des Experten von Umschichtungen. Staatsanleihen galten Anlegern einst als ultimativer sicherer Hafen. Dieser Nimbus bekomme nun aber schon seit einiger Zeit Kratzer, je mehr Euro-Staaten sich mit dem Schuldenvirus infizierten, meint der Analyst. Selbst die Kurse deutscher Staatsanleihen legen seit April nicht mehr zu - und fallen sogar seit September.

Krekeler sieht den Dax im ersten Quartal 2011 bis auf 7200 Punkte steigen. Hier wittert er - wie übrigens in der Vorwoche an gleicher Stelle sein Kollege Achim Matzke von der Commerzbank - einen großen Widerstand: die Hochpunkte aus dem Jahr 2008. Üblicherweise stoppt eine Rally an solchen Marken erst einmal, weil Anleger sie als ideale "Gewinnmitnahme" interpretieren.

Kommentare zu " Chartgespräch: „Viele Anleger sind unterinvestiert“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • interessante Aussage: "Die Kunden vermitteln sie damit, im stärksten index investiert zu sein." Sagt doch alles. Die Fondverwaltungsgebühren fließen ja auch so...egal ob Gewinn oder Verlust mit den Kundengeldern gemacht wird. im übrigen halte ich persönlich überhaupt nichts von öffentlichen Kauf, Verkauf oder " ich schau mal in die Glaskugel-Empfehlungen"

  • Ganz ehrlich! :

    Die Aussicht auf eine Jahresend-Ralley am Aktienmarkt habe ich einmal zu oft gehört.
    Mag ja sein, dass die meisten Privatinvestoren bisher icht dabei waren und der Dax irgendwann die 8000er-Marke wieder erreicht.

    Doch eines dürfte mittlerweile klar sein: Dieses JAhr wird dies ganz sicher nicht passieren !
    Die institutionellen werden bei der Großwetterlage in den USA und der EU sicher nicht in Aktien umschcihten.
    Man wird an der Seitenlinie warten und wird den langsam purzelnden Kursen zuschauen.
    Denn wer seit Lehman investiert hat, der wird sich über einen schönen Kursgewinn freuen und eher Teile desselben realisieren.

    Auch der faule Kompromiss jetzt in dividendenstarke bluechips zu investieren zieht nicht richtig, denn wenn es bergab geht, dann mit allem und weshalb sollte man also jetzt ins fallende Messer greifen ?

    Es wird weiter nach unten gehen Stück für Stück und immer etwas schneller. Nur die entsprechende inflation wird daran etwas ändern. Aber wenn auf die Chinesen auch kein Verlass mehr ist, dann sieht es mit der inflation auch etwas kritisch aus.

  • Guten Tag;.... Richtig;.... speziell die welche kein Geld haben. besten Dank

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%