Charttechnik
Anleihemärkte stehen vor weiterem Renditeanstieg

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Nicht selten neigt er dazu, an eingefahrenen Mustern festzuhalten und diese fortzuschreiben. Anders ist die noch immer vernehmbare Skepsis hinsichtlich der Renditeentwicklung am Anleihemarkt kaum zu erklären.

BAD HOMBURG. Diese befanden sich seit Beginn der 90er-Jahre auf einer langen Talfahrt und erreichten im vergangenen Herbst historisch niedrige Niveaus. Spätestens seit dem Bruch des bis Mai 2003 zurückreichenden Baissetrends aber haben sich die Vorzeichen grundlegend verändert.

Aus technischer Sicht kommt dieser Bruch einer Gezeitenwende gleich, die auch den letzten Bond-Bullen das Fürchten lehren müsste. Untermauert durch eine mittelfristige Bodenbildungsformation stehen die Zeichen nun mittel- wie langfristige auf anziehende Renditen. Grünes Licht signalisieren auch die unisono positiven Tages- und Wochenindikatoren. Zwar hat der Steigflug hier zu ersten Spannungen geführt. die ungebrochene Aufwärtsdynamik der Bewegung relativiert diesen Makel aber.

Mit Blick auf die deutsche Umlaufrendite (siehe Chart) ist von weiteren nachhaltigen Zuwächsen auszugehen, die sich zunächst bis in den Bereich von 3,70 bis 3,75 Prozent ausdehnen können. An den dort erkennbaren, in den Jahren 2003/04 geprägten Widerständen allerdings dürfte eine ausgedehntere Konsolidierung kaum zu umgehen sein. Die übergeordnet positiven Perspektiven aber tangiert dies nicht. Vielmehr ist im Anschluss von weiteren Impulsen auszugehen, die auf Sicht von sechs bis neun Monaten einen Vorstoß bis auf Niveaus von 4,05 bis 4,20 Prozent - dem ab sofort gültigen Ziel - ermöglichen sollten.

Für die Aktienmärkte muss dies keine ernsthafte Gefahr bedeuten. Historisch stellt selbst die vorgenannte Zielzone ein noch immer ausgesprochen niedriges Niveau dar, und auch mit Blick auf den klassischen Bewertungsvergleich zwischen Aktien- und hypothetischem Renten-KGV klafft eine gewaltige Lücke, die Spielraum für beide Anlageklassen ermöglicht. Erst ein Bruch der Unterstützungszone bei 3,30 bis 3,40 Prozent würde dieses Szenario gefährden und Deflationsgefahren aufkommen lassen, was gegenwärtig jedoch als ziemlich unwahrscheinlich anzusehen ist.

Der Autor ist technischer Analyst bei Staud Research in Bad Homburg.

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