Charttechnik deutet auf weitere Kursverluste hin
Dem Euro drohen harte Monate

So ungewiss die nächsten Zinsschritte der US-Notenbank sind, so vage scheint derzeit auch die Situation am Devisenmarkt, zumindest was das Wechselkursverhältnis zwischen Dollar und Euro anbelangt.

BAD HOMBURG. Sah es über weite Teile des Sommers noch so aus, als nehme der Euro Anlauf auf die massive Widerstandszone bei 1,28 bis 1,30 Dollar, hat sich die Bewegung zuletzt umgekehrt. Zwar pendelt die Gemeinschaftswährung momentan noch über der in den vergangenen Monaten geprägten Auffangzone bei rund 1,25 Dollar. Allerdings deutet zurzeit nichts darauf hin, dass sich der Euro in naher Zukunft von diesem Bereich nach oben absetzen kann.

Im Gegenteil: Der Abwärtsdruck auf den Euro scheint sich aktuell noch zu verstärken. Denn eine weit entscheidendere Unterstützung, der aktuell bei 1,24 Dollar verlaufende Aufwärtstrend, gerät ebenfalls in Gefahr. Ein Bruch dieser Linie, der keinesfalls auszuschließen ist, würde weiteres signifikantes Abwärtspotenzial für den Euro ergeben. Die nächsten soliden Unterstützungen lassen sich erst wieder in Bereichen von 1,16 bis 1,18 Dollar ausmachen und stellen ein eher als defensiv anzusehendes Korrekturziel dar.

Mit Blick auf die "Elliott-Wellen"-Theorie, derzufolge sich eine Kursbewegung immer aus einem fünfteiligen Impuls (I bis V, siehe Grafik) und einer anschließenden dreiteiligen Korrektur (A bis C) zusammensetzt, wäre eine weitere Abwärtsbewegung des Euros als abschließende dritte Welle (C) des seit Dezember 2004 laufenden Korrekturmusters anzusehen. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle reicht diese letzte Welle über das Niveau der vorausgegangenen Welle "A" hinaus, womit zeitweilige Euro-Kurse unter 1,16 Dollar nicht auszuschließen sind. Erst nach dem Abschluss der Korrekturbewegung stünde einer Fortsetzung der im Herbst 2000 begonnenen Euro-Hausse aus technischer Sicht nichts mehr entgegen.

Auf Sicht von sechs bis neun Monaten allerdings überwiegt das Risiko weiterer Rückschläge. Um das Bild nennenswert aufzuhellen und das aufgezeigte Szenario abzuwenden, müsste sich der Euro schon unmittelbar und nachhaltig stabilisieren und die Marke von 1,30 wieder überqueren. Solange dies aber nicht der Fall ist, haben die Bären das vorläufig bessere Blatt.

Der Autor ist technischer Analyst bei Staud Research in Bad Homburg.

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