Charttechnik liefert keine Hinweise für Aufwärtstrend
Dem Dax droht eine „Flaggenformation“

Seit dem ersten Quartal 2004 bewegen sich die internationalen Aktienindizes aus USA und Europa in einer Korrekturphase. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: die allgemeine Terrorangst, die steigenden Rohölnotierungen, die steigenden US-Leitzinsen und enttäuschende Zahlen von Technologie-Firmen.

FRANKFURT/M. Etwas komplizierter ist die Erklärung, warum die Korrekturbewegungen in den verschiedenen Indizes eine unterschiedliche technische Form aufweisen. So bewegt sich der führende US-Aktienindex - der S&P 500 - seit Jahresanfang in einem Abwärtskanal (technische Flaggen-Formation mit zusätzlich negativem Touch), wie er z. B. auch im Euro Stoxx 50 anzutreffen ist. Der Dax hingegen steckt in einer fast idealtypischen Seitwärtsbewegung mit einer Widerstandszone bei 4 175 Punkten und einem Unterstützungsbereich bei 3 690 bis 3 700 Punkten.

Zwei Hauptgründe haben den Dax in diese Seitwärtsbewegung gedrückt: Erstens war nach dem Terroranschlag im März die kurzfristige Abwärtsbewegung hier ausgeprägter als in anderen Indizes, so dass das März-Zwischentief (bei ca. 3 700 Punkten) in Relation niedriger lag. Dazu kommt, dass im zweiten Quartal 2004 Versorgeraktien hohe Kursgewinne erzielten und dieser Sektor - vertreten durch Eon und RWE - im Dax mit einem Gewicht von ca. 13 Prozent deutlich mehr Bedeutung hat als in anderen Indizes.

Zwar war der Dax Anfang August durch die Unterstützungszone um 3 700 gebröckelt, jedoch war hier kein neues, überzeugendes Verkaufssignal aufgetreten. Statt dessen hat sich der Dax nur der Seitwärts-Abwärts-Bewegung in den anderen Indizes angeschlossen.

Hieraus ergeben sich aus technischer Sicht zwei wichtige Aspekte. Erstens sollte sich die seit Januar laufende Korrektur zeitlich ausdehnen. Zweitens sollte jetzt auch der Dax - vergleichbar zu den anderen Indizes - in eine mittelfristige "Flaggenformation" gedrückt werden. Auch wenn der Dax in den vergangenen Tagen den kurzfristigen Abwärtstrend von Anfang Juli in eine moderate Erholung verlassen hat, fehlen weiterhin die überzeugenden technischen Hinweise, dass bereits ein Verlassen der seit dem Januar laufenden "Flagge" vorbereitet wird.

Der Autor ist technischer Analyst bei Commerzbank Securities.

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