Charttechnik
Trotz Rally noch keine Entwarnung

Den zweiten Tag in Folge legen die Börsen eine beispiellose Rally hin. Dennoch warnen technische Analysten davor, bereits wieder auf Euphorie umzuschalten. Das aktuelle Szenario ähnele dem Crash von 2001 und dem "Schwarzen Freitag" von 1929.

HB FRANKFURT. Dank der Rettungspakete vieler europäischer Staaten für ihre nationalen Bankensysteme explodierten die Börsenkurse: So schlossen Dax und Dow Jones am Montag, sowie der Nikkei am Dienstag, mit den höchsten, jemals gemessenen Kursgewinnen innerhalb eines Tages. Am Dienstag bauten die Börsen ihre Gewinne aus.

Dennoch warnen technische Analysten davor, bereits wieder auf Euphorie umzuschalten. Zu unklar sei noch das Ausmaß der Verwerfungen, welche die Kreditkrise in der Realwirtschaft hinterlassen hat.

So zeigt sich Stephen Schneider von der WGZ-Bank zurückhaltend: "Unter Abwägung von Risiko und Chance kann ich noch nicht dafür plädieren, Investoren in den Markt zu schicken". Immerhin sei der Dax bereits vor dem Kurseinbruch von Mai bis Mitte September in einem gültigen Abwärtstrend gefallen. Aktuell bilde dieser bei rund 5 300 bis 5 500 Punkten einen Widerstand.

Trotz der heftigen Kursrally vom Montag müsse dieser Widerstand nun erst überwunden werden. "Momentan erleben wir nur eine Rückführung des vorherigen Ausverkaufs", sagt der Analyst. Für weitere Kursavancen fehle es noch an den typischen Anzeichen, wie zum Beispiel positive Divergenzen. Erst dann könne auch auf eine Änderung des mittelfristigen Trends gesetzt werden.

Ähnlicher Ansicht ist Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg. Auch er vermisst Anzeichen für eine Bodenbildung im Dax. "Aus keiner Zeiteinstellung lässt sich das ableiten", sagt Siegert: "Weder aus dem Tages-, Monats- noch dem Jahres-Chart".

Bereits bei 5 424/5 468 Punkten treffe der Index auf eine große Cluster-Zone aus diversen Widerständen und Kurszielen. Siegert vergleicht die aktuelle Lage mit dem Oktober 2002. Auch der damaligen Erholung folgte noch ein Abgleiten auf neue Jahrestiefs.

Christoph Schmidt von N.M. Fleischhacker erwartet nicht mehr als einen Anstieg über mehrere Monate bis maximal 6 600 Punkte im Dax. Und dass, obwohl er im deutschen Börsenbarometer eine der seltenen und bullishen "V-Formationen" ausmacht, in denen rasche Kursverluste von ebenso raschen Gewinnen abgelöst werden.

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