Charttechnik
Zentralbanken treiben die Kurse

Setzt sich der bei US-Immobilienaktien eingeschlagene steile Aufwärtspfad fort, werden sich die globalen Märkte weiter dynamisch entwickeln. Warum die Charttechnik die Erholung des US-Immobiliensektors als Indikator für einen globalen Aufwärtstrend sieht.

RIGA. Ein wenig bekannter Zusammenhang in der Finanzmarkttheorie ist das „Bandwaggoning“. Hier setzt sich der monetäre Stimulus einer Zentralbank in Kursanstiegen fort. Die Theorie sieht vor, dass Wertpapiere verschiedener Branchen nacheinander der Richtung des Marktes folgen – ähnlich wie einst Aussiedler im Wilden Westen. Den wirtschaftlichen Moden folgend, sind es oft dieselben Branchen, die den Zug anführen. Die restlichen Branchen folgen mehr oder weniger passiv.

Der vermeintliche Tiefpunkt der aktuellen Krise im März 2009 wird umrahmt von Bankaktien. In den Hintergrund getreten sind Immobilien, die einst die Krise einläuteten.

Der führende Wagen des aktuellen Zugs sind Papiere von US-Immobilien. Bereits im Jahr 2006 zeigten Frühindikatoren ihren baldigen Einbruch. 2007 gingen sie in den Keller, 2008 folgten verbriefte Immobilien-Papiere. Die Banken kippten erst danach.

Umso dynamischer werden sich die globalen Märkte entwickeln, wenn sich der bei US-Immobilienaktien eingeschlagene steile Aufwärtspfad fortsetzt. Sowohl der dreijährige Abwärtstrend wurde überwunden als auch der unter technischen Analysten populäre 200-tägige gleitende Durchschnitt.

Im Zusammenhang mit dem Anstieg von 30 Prozent in nur 30 Tagen könnte die Erkenntnis stehen, dass die Notenbanken weiter ernst machen mit der Liquiditätsausweitung. Die US-Notenbank hat vergangene Woche mit beherzten Ankäufen von Staatsanleihen klar gemacht, dass sie bei schwacher Nachfrage dem Markt zuhilfe eilt.

Damit betreiben die Amerikaner lehrbuchartige Monetarisierung, der Staat druckt Geld. Die Marktteilnehmer werden mit der zusätzlichen Liquidität das tun, was sie immer tun, wenn ein neuer Kreditzyklus beginnt: Sie fragen riskantere Wertpapiere nach. Selbst Anleihen im Immobiliensektor – die Prügelknaben von 2008 – erscheinen deshalb billig. Der Wagenzug der Hausse rollt weiter.

Felix Pieplow ist Geschäftsführer von Staedel Hanseatic

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