Dax-Analyse
Charttechniker raten zur Vorsicht

Schon seit Wochen zerbrechen sich die Börsianer die Köpfe, ob die alte Börsenregel "Sell in May and go away" auch 2006 die richtige Strategie ist. Was in den vergangenen Tagen an den Aktien- und auch Rohstoffmärkten stattgefunden hat, wird als Reaktion auf die zuletzt gesehene Übertreibung gewertet.

HB FRANKFURT. Viele Marktteilnehmer, wie die so genannten Trendfolger, arbeiten bei der momentanen Volatilität mit engen Stopp-Kursen. Schon eine kleiner Stein kann in einem solchen Szenario eine große Welle auslösen. Und es lässt sich nicht so leicht wegdiskutieren, dass sich das Bild für die Aktien zuletzt eingetrübt hat.

Zum einen werde den Unternehmen nach der erneut sehr gut verlaufenen Berichtssaison kaum noch Steigerungspotenzial eingeräumt. Das Zinsniveau in Japan, dass lange Zeit billiges Geld an die Aktienmärkte hat strömen lassen, scheint sich schon bald weiter zu verteuern. Zudem vermehren sich die Anzeichen, dass der so wichtige Immobilienmarkt in den USA erste Anzeichen auf eine bevorstehende Schwäche aufweist. Damit stellt sich die Frage: Wohin fließt das freigewordene Geld? Wohin schwappen die Petro-Dollars? Erste Anzeichen sprechen für eine Stabilisierung an den Bondmärkten, auch wenn es zuletzt zu deutlichen Abflüssen in den Emerging Markets gekommen ist.

Während die US-Treasuries von einem möglichen Ende des Zinserhöhung-Zyklus profitieren sollten, werden die europäischen Anleihen von den Geldern gestützt, die vermehrt im Euroraum nach Anlagemöglichkeiten suchen. Denn dass der Euro zum Dollar weiter zulegen dürfte, darüber ist sich die Finanzgemeinde einig. Ein solches Szenario könnte sich auf längere Sicht gesehen wieder positiv auf die Aktienmärkte auswirken. Die an den Anleihemärkten zu erzielenden Renditen haben zuletzt zu Mittelabflüssen am Aktienmärkten geführt. Sollten sich die Renditen der hiesigen zehnjährigen Anleihen wieder einem Niveau von 3,5 Prozent annähern, dürften sich die auf der Suche nach Alpha hungrigen Mittel wieder den Aktien zuwenden. Kurzfristig scheint die Marke von 5 800 Punkten die Richtung für die kommende Woche vorzugeben.

In einer Konsolidierung sieht Manfred Wolter, technischer Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, den Dax - solange er nicht die 5 800 auf Schlusskursbasis unterschreitet. "An den vergangen drei Handelstagen hat der deutsche Aktienmarkt 360 Punkte abgegeben" so Wolter. Daher sollte zunächst eine technische Gegenbewegung auf der Agenda stehen. Diese könne in den kommenden Handelstagen den Index bis zum Zwischentief bei 5 960 Punkten führen. Auch die 38 Tage Linie bei 6 000 Punkten biete sich als Zone für eine Erholung an. Sollte allerdings die Marke bei 5 800 Punkten auf Schlusskursbasis unterschritten werden, müsse mit einer dynamischen Abwärtsbewegung in Richtung 5 664 Punkten gerechnet werden. Spätestens im Bereich bei 5 553 Punkten sollte die dann laufende Korrekturbewegung zum Stoppen kommen, so Wolter.

Die mit dem Reversal Day am vergangenen Donnerstag eingeleitete Konsolidierung dürfte nach Einschätzung der Marktstrategen von HSBC Trinkaus & Burkhardt noch nicht ausgestanden sein. Insbesondere eine Rückkehr in den dominierenden Aufwärtstrend könne als Auftakt zu weiteren Gewinnmitnahmen interpretiert werden. Mit dem Tagestief zum Wochenstart bei 5 785 Punkten habe der Deutsche Aktienindex die Kreuzunterstützung aus der Parallelen zum übergeordneten Aufwärtstrend seit August 2004 und der 100-Tage-Linie ausgelotet.

Aufgrund der scharfen Kurskorrektur der vergangenen Tage biete die genannte Haltezone kurzfristig die Chance, dass am Montag gerissene Gap im Bereich 5 916/02 Punkte zu schließen. Übergeordnet sei aber weiter Vorsicht angebracht. In diesem Fall dürfte das Gap vom 27. Januar dieses Jahres bei 5 585/49 Punkten in den Fokus rücken. Danach stelle die 200-Tage-Linie bei momentan 5 396 Punkten die nächste wichtige Unterstützung dar.

Die Aktienstrategen von Metzler Financial Markets weisen darauf hin, dass der Dax mit einem Plus von über 8 % seit Jahresbeginn zwar noch immer ein stolzes Plus aufweise. Gleichzeitig regiere derzeit allerdings die Nervosität. Im Vergleich dazu halten sich die marktbreiten US-Aktienmärkte an den vergangenen Tagen relativ gut. Dort mache allerdings der zuletzt schwache Dollar einen Strich durch die Rechnung und beschere Euro-denominierten Anlegern einen Verlust. Neben Zins- und Inflationssorgen drücke auch der schwache Greenback auf die Stimmung. Denn die Intermarket-Theorie verbinde mit einer schwachen Greenback obendrein schwache Aktienmärkte. Doch des Einen Leid ist des Anderen Freud. So könnte der Kursverlauf des Bund-Futures beschrieben werden. Das zum Wochenbeginn gesehene "opening gap" wurde nicht nur schnell geschlossen, sondern auf Schlusskursbasis überzeugend überwunden.

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