Dax-Prognose
„8000 Punkte sind nicht gierig“

Die Erfahrungen vergangener Jahre treibt Anleger zu Gewinnmitnahmen. Dabei steht einem nachhaltigen Aufschwung am deutschen Aktienmarkt diesmal nichts im Weg, sagt Heiko Zülch von der Sparkasse Köln-Bonn im Chartgespräch.
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DüsseldorfGewinnmitnahmen haben noch niemandem geschadet“, lautet eine alte Börsenweisheit. Sie rückt bei immer mehr Anlegern in den Fokus, je stärker die Börsen zulegen. In weniger als zwei Jahren verdoppelte sich der Dax. Rechtfertigt die atemberaubende Rally Gewinnmitnahmen, um Papiergewinne in Heller und Cent zu kassieren? Heiko Zülch von der Sparkasse Köln-Bonn wiegelt ab. Nicht weil er die Anleger der zweitgrößten deutschen Sparkasse mit über eine Million Kunden ins Risiko treiben will. Er sieht die Hausse fundamental und charttechnisch untermauert. Aus vielen Gesprächen mit seinen Vertriebsmitarbeitern weiß er, dass die Mehrheit der Kunden die Börsenhausse skeptisch beargwöhnt. „Die schlechten Erfahrungen im Jahr 2000 und 2007 veranlassen viele Anleger, sich jetzt zu früh vom Markt zu verabschieden“, sagt der Stratege.

Zu früh, weil seiner Meinung nach schwergewichtige Argumente für weiter steigende Kurse sprechen. Zuallererst überzeugt Zülch die technische Verfassung des Markts. Der Dax befindet sich seit dem Frühjahr 2009 in einem Aufwärtstrend. Im Herbst erhielten Anleger die Gelegenheit, auf den Zug aufzuspringen oder neu einzusteigen, als der Dax nach seiner monatelangen quälenden Seitwärtsbewegung den Sprung über die Marke von 6300 Punkten geschafft hatte. Mit viel Schwung stieg der Dax weiter nach oben und hielt erst wieder im Bereich zwischen 7000 und 7200 Punkten inne. Anleger bekamen ein weiteres Einstiegssignal serviert, als der Dax schließlich auch diese Hürde überwand.

Der intakte Aufwärtstrend geht einher mit wichtigen Indikatoren, die noch keine Überhitzungserscheinungen anzeigen, wie beispielsweise zur Jahreswende 1999/2000 und 2007/2008. Beide Male hatten damals wesentliche technische Indikatoren das Ende der Hausse signalisiert. Sichtbar wurde dies auch im Chartbild, als die Kurse keine Hochs mehr erreichten und nur noch unter hohen Umsätzen schwankten – typische Erschöpfungsanzeichen einer Hausse.

Gegen einen Absturz gut gerüstet

Vergleichbares mag Zülch jetzt nicht erkennen. Er hält noch in diesem Jahr 8000 Punkte für gut möglich. Das wäre ein Plus von neun Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. „Dann wird es sehr spannend, wie Anleger sich verhalten.“ In den Jahren 2000 und 2008 war der Dax knapp über 8000 Punkte gestiegen – beide Male folgte der tiefe Fall. „Das gräbt sich tief in das Gedächtnis vieler Anleger ein.“

Der Analyst sieht die Börsen diesmal allerdings besser gerüstet, um nicht wieder abzustürzen. Die Unternehmen ständen glänzend dar. Die 30 Dax-Konzerne dürften 2011 in der Summe in etwa so viel verdienen wie im bisherigen Rekordjahr 2007. Gemessen an den Nettogewinnen seien Aktien noch moderat bewertet – trotz der 100-Prozent-Rally. Darüber hinaus sieht Zülch eine „nachhaltige Stütze“ für den Dax: Viele Unternehmen haben ihre Exportanteile in die stark wachsenden Schwellenländer deutlich ausgeweitet und profitieren somit von der starken Nachfrage aus den Emerging Markets.

Der Stratege rät Anlegern zum jetzigen Zeitpunkt von Gewinnmitnahmen ab. Er empfiehlt, bei der Stange zu bleiben, und urteilt mit Blick auf den Dax: „8000 Punkte sind technisch gut möglich und auch fundamental nicht gierig.“


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